Europa

Gasabsatz in Europa

Zu den Hauptaufgaben der PAO Gazprom auf dem europäischen Markt gehören die Bewahrung der führenden Stellung, die Gewährleistung einer zuverlässigen Gasversorgung sowie die Effizienzsteigerung der Vertriebstätigkeit.

Die europäischen Länder gelten seit mehr als 50 Jahren als Großverbraucher von russischem Gas.

Gazprom ist der größte Gasexporteur am europäischen Markt.

Russland gilt seit über 50 Jahren als zuverlässiger Erdgaslieferant für Europa. Foto: Berlin, Deutschland
Russland gilt seit über 50 Jahren als zuverlässiger Erdgaslieferant für Europa. Foto: Berlin, Deutschland

Russland gilt seit über 50 Jahren als zuverlässiger Erdgaslieferant für Europa. Foto: Berlin, Deutschland

Im Jahr 2019 verkaufte die Gazprom-Gruppe 232,4 Milliarden Kubikmeter Gas in Länder außerhalb der ehemaligen Sowjetunion (einschließlich Gasexporte aus der Russischen Föderation sowie Gasmengen, die von der Unternehmensgruppe im Ausland erworben worden sind). Dabei lagen die Nettoerlöse aus dem Verkauf (abzüglich Verbrauchssteuer und Zollgebühren) bei 2.490,4 Milliarden Rubeln.

Im Jahr 2019 beliefen sich Gasexporte aus der Russischen Föderation ins europäische ferne Ausland auf 199 Milliarden Kubikmeter Gas (aufgrund von Verträgen der Gazprom Export).

Die Gazprom übt ihre Tätigkeit auf dem europäischen Gasmarkt aufgrund langfristiger Verträge mit Take-or-Pay-Klauseln aus. Neue Formen des Gashandels aufgrund von kurz- und mittelfristigen Verträgen sowie von Tauschgeschäften und einmaligen Transaktionen kommen ebenfalls zum Einsatz.

Einheitlicher Exportkanal

Als grundsätzliches Element der Exportstrategie der Gazprom gilt das System eines einheitlichen Exportkanals. Nach Maßgabe des russischen Gasexportgesetzes genießt Gazprom das ausschließliche Recht an Pipelinegasexporten. Das Gesetz ermöglicht es, eine koordinierte Betriebs- und Marketingpolitik zu betreiben und dient als zusätzliche rechtliche Garantie für zuverlässige russische Gasexporte.

System langfristiger Verträge

Gazprom exportiert Gas nach Mittel-, West- und Südosteuropa hauptsächlich im Rahmen von langfristigen Verträgen.

Langfristige Take-or-Pay-Verträge dienen als Grundlage für stabile und zuverlässige Gaslieferungen. Nur solche Verträge garantieren einem Hersteller und Exporteur, dass sich seine milliardenschweren Investitionen, die für die Umsetzung großer Gasexportprojekte benötigt werden, auszahlen. Einem Importeur wird dabei eine zuverlässige und reibungslose Gasversorgung über längere Zeitabschnitte garantiert.

Als grundsätzliche Besonderheiten langfristiger Verträge sind hervorzuheben:

  • eine Preisformel, in der Veränderungen der Ölpreise in den vorangegangenen sechs bis neun Monaten berücksichtigt werden;
  • Bestimmungen, die eine einseitige Vertragskündigung verhindern, wovon dauerhafte zwingende Umstände ausgenommen sind;
  • die Take-or-Pay-Klausel, die sich auf erhebliche Vertragsmengen bezieht, was voraussetzt, dass der Käufer die im Laufe eines Jahres nicht abgenommenen Mengen bezahlt und sie anschließend nach der Lieferung von Jahresmindestmengen, die im jeweiligen Jahr vertraglich vereinbart sind, mit einem entsprechenden Zuschlag abnehmen kann.

Langfristige Verträge stellen im Grunde genommen Serviceverträge dar, die dem Käufer flexible Tages- und Jahreslieferungen ermöglichen, während der Verkäufer verpflichtet ist, dem Käufer in Zukunft Mengen nachzuliefern, die er im Rahmen der Take-or-Pay-Klausel zuvor bezahlt hat. Darüber hinaus garantieren langfristige Verträge den Käufern Gaslieferungen im Laufe eines großen Zeitraumes. Gas am Spotmarkt ist im Grunde genommen ein ganz anderes Produkt, und der Vergleich von Vertrags- und Spotpreisen ist ungerechtfertigt.

Dabei bleibt eine teilweise Anbindung an die Ölpreise in den Verträgen weiterhin aktuell. Die Anbindung an die Ölpreise bietet ein Instrument für langfristige Geschäftsplanung, das einen ununterbrochenen und stabilen Investitionszyklus in der Branche sicherstellt.

Durchschnittlicher Absatzpreis für Gas in Ländern außerhalb der ehemaligen Sowjetunion (abzüglich Mehrwertsteuer, inklusive Verbrauchssteuer und Zollgebühren)

  Zum Ende des jeweiligen Geschäftsjahres am 31. Dezember
2015 2016 2017 2018 2019
Rubel pro 1.000 m3 15.057,3 11.763,3 11.670,5 15.499,5 13.613,0
US-Dollar*pro 1.000 m3 245,6 176,0 200,2 246,4 210,6
Euro*pro 1.000 m3 221,5 159,0 176,8 209,1 188,2

* Diese Geschäftszahlen sind nicht in der Finanzberichterstattung enthalten und wurden ausgehend vom Währungskurs zum Ende des jeweiligen Zeitraums berechnet.

Europäischer Gasmarkt

Die Dynamik russischer Gaslieferungen auf den europäischen Markt hängt von mehreren Faktoren ab, unter anderem von den wirtschaftlichen Wachstumsraten, der Dynamik der Eigenförderung, der Preiskonjunktur für andere Energieträger – insbesondere in der Elektrizitätswirtschaft – und den Gaspreisen an anderen Weltmärkten.

Absatz von Erdgas durch die Gazprom-Gruppe 2019 ins europäische ferne Ausland (Milliarden Kubikmeter)
Land Mengen*
Belgien 1,3
Bosnien und Herzegowina 0,2
Bulgarien 2,4
Dänemark 1,7
Deutschland 44,9
Finnland  2,5
Frankreich 13,0
Griechenland 2,5
Großbritannien 59,0
Italien 22,0
Kroatien 2,8
Niederlande 16,3
Nordmazedonien 0,2
Österreich 9,1
Polen 9,7
Rumänien 1,1
Schweiz 0,3
Serbien 2,2
Slowakei 6,5
Slowenien 0,3
Tschechien 2,2
Türkei 15,4
Ungarn 10,5

* Die vermarkteten Gasmengen der Gazprom-Gruppe umfassen unter anderem den Absatz von LNG sowie vermarktete Gasmengen im Rahmen von Auslandsprojekten, an denen die Unternehmensgruppe auf dem Gebiet der Prospektion und Förderung von Kohlenwasserstoffen beteiligt ist.

Steigerung der Zuverlässigkeit von Gaslieferungen nach Europa

Gazprom trifft komplexe Maßnahmen zur Steigerung der Zuverlässigkeit von Gaslieferungen an europäische Kunden. Dies setzt eine systematische Arbeit an Buchungen von Gastransportkapazitäten, eine Optimierung und Umverteilung der gebuchten Kapazitäten, Tauschgeschäfte, eine Minimierung von Folgen bei Betriebsunterbrechungen von Gaspipelines und anderen Vorfällen voraus.

Um die Zuverlässigkeit von Lieferungen zu steigern, initiierte Gazprom die Umsetzung neuer Gastransportprojekte: Nord StreamNord Stream 2 und TurkStream.

Nord Stream ist die erste Gaspipeline in der Geschichte, die das russische und das europäische Gastransportsystem miteinander verbunden hat. Sie hat 2012 ihre geplante Kapazität erreicht.

Nord Stream 2 ist eine neue Gaspipeline durch die Ostsee für Exporte nach Europa. Der Bau dieser Pipeline wird fortgesetzt.

TurkStream ist eine neue Exportpipeline für Gaslieferungen aus Russland in die Türkei durch das Schwarze Meer. Der erste Strang dieser Pipeline ist für Gaslieferungen an türkische Verbraucher und der zweite Strang ist für die Gasversorgung der Länder in Süd- und Südosteuropa bestimmt. Mit dem Bau der TurkStream wurde 2017 begonnen. Gaslieferungen durch diese Pipeline erfolgen seit Januar 2020.

Die Nutzung unterirdischer Gasspeicher (UGS) in den europäischen Ländern ermöglicht es ebenfalls, die Zuverlässigkeit von Exportlieferungen erheblich zu steigern.