Europa

Als Hauptaufgabe der PAO Gazprom auf dem europäischen Markt gilt es, die führende Stellung zu bewahren, eine zuverlässige Gasversorgung zu gewährleisten und die Effizienz der Absatztätigkeit zu steigern.

Die europäischen Länder sind seit über 40 Jahren die wichtigsten Verbraucher von russischem Gas.

Gazprom ist der größte Gasexporteur auf dem europäischen Markt.

Seit über 40 Jahren ist Russland ein zuverlässiger Erdgaslieferant in Europa

2017 vermarktete die Gazprom-Gruppe im fernen Ausland 242,0 Milliarden Kubikmeter Gas (sowohl Gasexporte aus der Russischen Föderation als auch Gasmengen, die von der Unternehmensgruppe im Ausland erworben wurden). Dabei betrugen die Nettoerlöse aus dem Verkauf (abzüglich Verbrauchssteuer und Zollgebühren) 2.221,2 Milliarden Rubel.

Gasexporte aus der Russischen Föderation ins ferne Ausland erreichten 2017 eine Rekordmenge von 194,4 Milliarden Kubikmetern Gas (aus Verträgen der Gazprom Export und der Gazprom Schweiz AG). Dies sind 8,4 Prozent bzw. 15,1 Milliarden Kubikmeter mehr gegenüber dem Jahr 2016.

Als Grundlage für die Geschäftstätigkeit der Gazprom auf dem europäischen Gasmarkt dienen langfristige Verträge mit Anbindung an die Ölpreise und Take-or-Pay-Klauseln. Es werden auch neue Formen des Handels aufgrund von kurz- und mittelfristigen Verkäufen sowie Tauschgeschäften und einmaligen Transfers angewandt.

Einheitlicher Exportkanal

Als Grundelement der Strategie von Gazprom-Exporten gilt das Prinzip eines einheitlichen Exportkanals. Nach Maßgabe des russischen Gesetzes über Gasexporte wurde Gazprom das ausschließliche Recht eingeräumt, Pipelinegas zu exportieren. Das Gesetz ermöglicht es, eine koordinierte Produktions- und Marketingpolitik zu betreiben und dient als zusätzliche rechtliche Garantie für zuverlässige russische Gasexporte.

System langfristiger Verträge

Gazprom-Exporte erfolgen nach Mittel- und Westeuropa hauptsächlich im Rahmen von langfristigen Verträgen mit einer Laufzeit bis zu 25 Jahren, die in der Regel aufgrund von Regierungsabkommen abgeschlossen werden.

Langfristige Take-or-Pay-Verträge mit Anbindung an die Ölpreise dienen als Grundlage für stabile und zuverlässige Gaslieferungen. Nur solche Verträge dienen dem Hersteller und Exporteur als Sicherheit, dass seine milliardenschweren Kapitalanlagen, die für die Umsetzung großer Gasexportprojekte erforderlich sind, sich rentieren. Dem Importeur garantieren sie wiederum eine langfristig zuverlässige und reibungslose Gasversorgung.

Gegenwärtig sichert das Portfolio der unterzeichneten langfristigen Gazprom-Verträge binnen der vertraglichen Laufzeit einen Mindestabsatz von vier Billionen Kubikmetern Gas im fernen Ausland.

Unter den relevanten Besonderheiten langfristiger Verträge sind erwähnenswert:

  • die Preisformel, in der Ölpreisveränderungen in den vorangegangenen sechs bis neun Monaten berücksichtigt werden;
  • Bestimmungen, die einer einseitigen Vertragskündigung entgegenstehen, wovon dauerhafte zwingende Umstände ausgeschlossen sind;
  • Take-or-Pay-Klauseln, die sich auf erhebliche vertragliche Mengen beziehen und voraussetzen, dass der Käufer die innerhalb eines Jahres nicht abgenommenen Mengen bezahlt und sie später abnehmen kann gegen entsprechende Nachzahlung, nachdem die Jahresmindestmengen, die aufgrund dieser Verträge im jeweiligen Jahr vorgesehen sind, geliefert worden sind.

Langfristige Verträge stellen im Grunde genommen Serviceverträge dar. Sie bieten dem Käufer tägliche Flexibilität und ungleichmäßige Lieferungen im Laufe eines Jahres. Den Verkäufer verpflichten sie dazu, dem Käufer Mengen nachzuliefern, die zuvor im Rahmen der Take-or-Pay-Klauseln bezahlt worden sind. Darüber hinaus bieten langfristige Verträge den Käufern eine Sicherheit für Gaslieferungen innerhalb eines großen Zeitraums. Spotgas ist von seinem Wesen her ein grundsätzlich anderes Produkt und eine direkte Gegenüberstellung von Vertrags- und Spotpreisen ist ungerechtfertigt.

Dabei bleiben Verträge, die an den Ölpreisindex gebunden sind, weiterhin aktuell. Die Anbindung an den Ölpreisindex stellt ein unersetzliches Instrument für die langfristige Geschäftsplanung dar, die den Interessen des Gaskäufers und –verkäufers entspricht. Sie gewährleistet die Kontinuität und Stabilität des Investitionszyklus in der Branche entlang der gesamten Kette – von der Bohrung bis hin zum Endverbraucher. Die Anwendung des Ölpreisindexes hat sich im Laufe der über 40-jährigen Entwicklungsgeschichte des internationalen Gasmarktes bewährt und wird auch von anderen Großexporteuren praktiziert. Unter den gegenwärtigen Bedingungen spielen Ölprodukte in der Gaspreisformel die Rolle eines universellen Deflators. Sie verhindern, dass der Gaspreis von Preisen anderer Rohstoffe abweicht.

Durchschnittlicher Gasabsatzpreis im fernen Ausland (abzüglich Mehrwertsteuer, inklusive Verbrauchssteuer und Zollgebühren)

  Zum Ende des jeweiligen Geschäftsjahres am 31. Dezember
2013 2014 2015 2016 2017
Rubel/1.000 Kubikmeter 12.137,9 13.487,2 15.057,3 11.763,3 11.670,5
US-Dollar**/1.000 Kubikmeter  380,5 349,4 245,6 176,0 200,2
Euro**/1.000 Kubikmeter 286,3 264,5 221,5 159,0 176,8

* Diese Kennzahlen sind nicht Teil der Finanzberichterstattung und wurden zum Währungskurs am Ende des jeweiligen Zeitraums berechnet.

Europäischer Gasmarkt

Die Dynamik russischer Gaslieferungen an den europäischen Markt hängt von mehreren Faktoren ab, unter anderem von den Wirtschaftswachstumsraten, der Entwicklung der eigenen Gasförderung, der Preiskonjunktur in Bezug auf andere Energieträger – insbesondere in der Energiewirtschaft – und vom Gaspreis an anderen Weltmärkten.

Absatz von Erdgas der Gazprom-Gruppe 2017 im fernen Ausland (Milliarden Kubikmeter)
Land Mengen
Aus Verträgen der Gazprom Export und der GAZPROM Schweiz AG 
Bosnien und Herzegowina 0,2
Bulgarien 3.3
Dänemark 1,8
Deutschland 53,4
Finnland  2,4
Frankreich 12,3
Griechenland 2,9
Großbritannien 16,3
Italien 23.8
Kroatien 2,8
Mazedonien 0,3
Niederlande 4,7
Österreich 9,1
Polen 10,5
Rumänien 1,2
Schweiz 0,3
Serbien 2,1
Slowakei 4,6
Slowenien 0,6
Tschechien 5,8
Türkei 29,0
Ungarn 7,0
Gesamt 194,4
Sonstiger Absatz der Gazprom-Gruppe 47,6*
Insgesamt 242,0**

* Handelsgeschäfte und Gasabsatz an Endverbraucher (inklusive LNG).

** Laut Konzernabschluss der PAO Gazprom nach IFRS.

Steigerung der Zuverlässigkeit von Gaslieferungen nach Europa

Gazprom trifft komplexe Maßnahmen, um die Zuverlässigkeit von Gaslieferungen an europäische Verbraucher zu steigern. Sie setzen eine systematische Arbeit am Contracting von Gastransportkapazitäten, eine Optimierung und Umverteilung beantragter Kapazitäten, Tauschgeschäfte, eine Minimierung der Folgen von Unterbrechungen in Gaspipelines und anderen Vorfällen voraus.

Um die Zuverlässigkeit von Gaslieferungen zu steigern, initiierte Gazprom die Umsetzung neuer Gasprojekte: Nord StreamNord Stream 2 und TurkStream.

Nord Stream ist die erste Gaspipeline in der Geschichte, die eine direkte Verbindung zwischen den Gastransportsystemen Russlands und Europas hergestellt hat. Sie erreichte 2012 ihre Sollleistung. Nord Stream 2 wird bis Ende 2019 in Betrieb genommen.

TurkStream ist eine neue Gaspipeline für Exporte aus Russland in die Türkei durch das Schwarze Meer. Der erste Strang dieser Pipeline ist für Gaslieferungen an türkische Verbraucher und der zweite Strang ist für die Gasversorgung von Ländern Süd- und Südosteuropas bestimmt. Mit dem Bau der TurkStream wurde 2017 begonnen.

Die Nutzung unterirdischer Gasspeicher (UGS) in europäischen Ländern ermöglicht es ebenfalls, die Zuverlässigkeit von Exportlieferungen zu erhöhen sowie die Absatzmengen von russischem Gas zu steigern.