Europa

Zu den Hauptaufgaben der PAO Gazprom auf dem europäischen Markt gehören die Bewahrung der führenden Stellung, die Gewährleistung einer zuverlässigen Gasversorgung sowie die Effizienzsteigerung der Vertriebstätigkeit.

Die europäischen Länder gelten seit mehr als 50 Jahren als Großverbraucher von russischem Gas.

Gazprom ist der größte Gasexporteur am europäischen Markt.

Russland gilt seit 50 Jahren als zuverlässiger Erdgaslieferant für Europa

Im Jahr 2018 verkaufte die Gazprom-Gruppe 243,3 Milliarden Kubikmeter Gas in Länder außerhalb der ehemaligen Sowjetunion (einschließlich Gasexporte aus der Russischen Föderation sowie Gasmengen, die von der Unternehmensgruppe im Ausland erworben worden sind). Dabei lagen die Nettoerlöse aus dem Verkauf (abzüglich Verbrauchssteuer und Zollgebühren) bei 2.951,2 Milliarden Rubeln.

Die Gasexporte aus der Russischen Föderation ins ferne Ausland erreichten 2018 eine Rekordmenge von 201,9 Milliarden Kubikmetern (aufgrund von Verträgen der Gazprom Export und der Gazprom Schweiz AG). Das sind 3,8 Prozent bzw. 7,5 Milliarden Kubikmeter mehr gegenüber dem Jahr 2017.

Die Gazprom übt ihre Tätigkeit auf dem europäischen Gasmarkt aufgrund langfristiger Verträge mit Anbindung an die Ölpreise und Take-or-Pay-Klauseln aus. Neue Formen des Gashandels aufgrund von kurz- und mittelfristigen Verträgen sowie von Tauschgeschäften und einmaligen Transaktionen kommen ebenfalls zum Einsatz.

Einheitlicher Exportkanal

Als grundsätzliches Element der Exportstrategie der Gazprom gilt das System eines einheitlichen Exportkanals. Nach Maßgabe des russischen Gasexportgesetzes genießt Gazprom das ausschließliche Recht an Pipelinegasexporten. Das Gesetz ermöglicht es, eine koordinierte Betriebs- und Marketingpolitik zu betreiben und dient als zusätzliche rechtliche Garantie für zuverlässige russische Gasexporte.

System langfristiger Verträge

Gazprom exportiert Gas in die Länder Mittel- und Westeuropas hauptsächlich im Rahmen von Verträgen mit einer Laufzeit von bis zu 25 Jahren, die in der Regel aufgrund von Regierungsabkommen abgeschlossen werden.

Langfristige Take-or-Pay-Verträge mit Anbindung an die Ölpreise dienen als Grundlage für stabile und zuverlässige Gaslieferungen. Nur solche Verträge garantieren einem Hersteller und Exporteur, dass sich seine milliardenschweren Investitionen, die für die Umsetzung großer Gasexportprojekte benötigt werden, auszahlen. Einem Importeur wird dabei eine zuverlässige und reibungslose Gasversorgung über längere Zeitabschnitte garantiert.

Das Portfolio der unterzeichneten langfristigen Gazprom-Verträge stellt derzeit sicher, dass in Ländern außerhalb der ehemaligen Sowjetunion vier Billionen Kubikmeter Gas aus Mindestverpflichtungen in der Restlaufzeit dieser Verträge abgesetzt werden können.

Als grundsätzliche Besonderheiten langfristiger Verträge sind hervorzuheben:

  • eine Preisformel, in der Veränderungen der Ölpreise in den vorangegangenen sechs bis neun Monaten berücksichtigt werden;
  • Bestimmungen, die eine einseitige Vertragskündigung verhindern, wovon dauerhafte zwingende Umstände ausgenommen sind;
  • die Take-or-Pay-Klausel, die sich auf erhebliche Vertragsmengen bezieht, was voraussetzt, dass der Käufer die im Laufe eines Jahres nicht abgenommenen Mengen bezahlt und sie anschließend nach der Lieferung von Jahresmindestmengen, die im jeweiligen Jahr vertraglich vereinbart sind, mit einem entsprechenden Zuschlag abnehmen kann.

Langfristige Verträge stellen im Grunde genommen Serviceverträge dar, die dem Käufer flexible Tageslieferungen und ungleichmäßige Lieferungen im Laufe eines Jahres ermöglichen, während der Verkäufer verpflichtet ist, dem Käufer in Zukunft Mengen nachzuliefern, die er im Rahmen der Take-or-Pay-Klausel zuvor bezahlt hat. Darüber hinaus garantieren langfristige Verträge den Käufern Gaslieferungen im Laufe eines großen Zeitraumes. Gas am Spotmarkt ist im Grunde genommen ein ganz anderes Produkt, und der Vergleich von Vertrags- und Spotpreisen ist ungerechtfertigt.

Indessen sind Verträge mit Anbindung an die Ölpreise nach wie vor aktuell. Die Ölindizes stellen ein essentielles Instrument für die langfristige Geschäftsplanung dar, das den Interessen des Käufers und des Verkäufers von Gas entspricht. Es stellt einen ununterbrochenen und nachhaltigen Investitionszyklus in der Branche entlang der gesamten Kette vom Bohrturm bis zum Endverbraucher sicher. Die Anbindung an die Ölindizes hat sich in der langjährigen Entwicklungsgeschichte des Weltmarktes für Gas bewährt und wird auch von anderen Großexporteuren genutzt. Unter den heutigen Bedingungen spielen Ölprodukte in der Gasformel die Rolle eines universellen Deflators. Sie verhindern, dass der Gaspreis sich von anderen Rohstoffpreisen löst.

Durchschnittlicher Absatzpreis für Gas in Ländern außerhalb der ehemaligen Sowjetunion (abzüglich Mehrwertsteuer, inklusive Verbrauchssteuer und Zollgebühren)

  Zum Ende des jeweiligen Geschäftsjahres am 31. Dezember
2014 2015 2016 2017 2018
Rubel pro 1.000 m3 13.487,2 15.057,3 11.763,3 11.670,5 15.499,5
US-Dollar**pro 1.000 m3 349,4 245,6 176,0 200,2 246,4
Euro**pro 1.000 m3 264,5 221,5 159,0 176,8 209,1

* Diese Geschäftszahlen sind nicht in der Finanzberichterstattung enthalten und wurden ausgehend vom Währungskurs zum Ende des jeweiligen Zeitraums berechnet.

Europäischer Gasmarkt

Die Dynamik russischer Gaslieferungen auf den europäischen Markt hängt von mehreren Faktoren ab, unter anderem von den wirtschaftlichen Wachstumsraten, der Dynamik der Eigenförderung, der Preiskonjunktur für andere Energieträger – insbesondere in der Elektrizitätswirtschaft – und den Gaspreisen an anderen Weltmärkten.

Absatz von Erdgas durch die Gazprom-Gruppe 2018 in Ländern außerhalb der ehemaligen Sowjetunion (Milliarden Kubikmeter)
Land Mengen*
Aus Verträgen der Gazprom Export und der GAZPROM Schweiz AG 
Belgien 1,8
Bosnien und Herzegowina 0,2
Bulgarien 3,2
Dänemark 1,7
Deutschland 58,5
Finnland  2,6
Frankreich 12,9
Griechenland 3,3
Großbritannien 14,3
Italien 22,8
Kroatien 2,8
Mazedonien 0,3
Niederlande 7,9
Österreich 12,3
Polen 9,9
Rumänien 1,3
Schweiz 0,4
Serbien 2,1
Slowakei 5,1
Slowenien 0,5
Tschechien 6,5
Türkei 24,0
Ungarn 7,7
Gesamt 201,9
Sonstiger Absatz der Gazprom-Gruppe** 41,4
Insgesamt 243,3

* Gemäß Geschäftsberichten der Gazprom Export, gerundet auf Zehntel.

** Handelsgeschäfte und Gasverkauf an Endkunden, einschließlich LNG.

Steigerung der Zuverlässigkeit von Gaslieferungen nach Europa

Gazprom trifft komplexe Maßnahmen zur Steigerung der Zuverlässigkeit von Gaslieferungen an europäische Kunden. Dies setzt eine systematische Arbeit an Buchungen von Gastransportkapazitäten, eine Optimierung und Umverteilung der gebuchten Kapazitäten, Tauschgeschäfte, eine Minimierung von Folgen bei Betriebsunterbrechungen von Gaspipelines und anderen Vorfällen voraus.

Um die Zuverlässigkeit von Lieferungen zu steigern, initiierte Gazprom die Umsetzung neuer Gastransportprojekte: Nord StreamNord Stream 2 und TurkStream.

Nord Stream ist die erste Gaspipeline in der Geschichte, die das russische und das europäische Gastransportsystem miteinander verbunden hat. Sie hat 2012 ihre geplante Kapazität erreicht. Nord Stream 2 wird zum Jahresende 2019 in Betrieb genommen.

TurkStream ist eine neue Exportpipeline für Gaslieferungen aus Russland in die Türkei durch das Schwarze Meer. Der erste Strang dieser Pipeline ist für Gaslieferungen an türkische Verbraucher und der zweite Strang ist für die Gasversorgung der Länder in Süd- und Südosteuropa bestimmt. Mit dem Bau der TurkStream wurde 2017 begonnen. Die Inbetriebnahme dieser Gaspipeline ist zum Jahresende 2019 geplant.

Die Nutzung unterirdischer Gasspeicher (UGS) in den europäischen Ländern ermöglicht es ebenfalls, die Zuverlässigkeit von Exportlieferungen erheblich zu steigern und die Absatzmengen von russischem Gas aufzustocken.