Nord Stream

Gaspipeline, die eine Direktverbindung zwischen Russland und Europa herstellt

Nord Stream ist eine Exportpipeline für Gaslieferungen aus Russland nach Europa durch die Ostsee. Sie stellt eine Direktverbindung zwischen Gazprom und europäischen Verbrauchern her, indem sie Transitländer umgeht. Nord Stream gewährleistet höchst zuverlässige russische Gaslieferungen nach Europa.

Die Routen der Gaspipelines Nord Stream und Nord Stream 2

Die Routen der Gaspipelines Nord Stream und Nord Stream 2

Zahlen und Fakten

Kapazität der beiden Stränge – 55 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich.

Länge – 1.224 Kilometer.

Betreiber der Nord Stream – Joint Venture Nord Stream AG (Gazprom – 51 Prozent, Wintershall und Uniper (bis 2016 – E.ON) – je 15,5 Prozent, Gasunie und ENGIE – je 9 Prozent).

Entwicklung

Nord Stream ist eine äußerst zuverlässige Hightech-Route für russische Gaslieferungen in die EU.

Im Dezember 2000 wurde dem Projekt Nord Stream durch Beschluss der EU-Kommission der Status eines Transeuropäischen Netzes (TEN) verliehen, der 2006 bestätigt wurde. Damit ist Nord Stream zu einem Schwerpunktprojekt für die Gewährleistung einer nachhaltigen Entwicklung und zuverlässigen Energieversorgung in Europa geworden.

Im April 2010 wurde in der Ostsee mit dem Bau der Gaspipeline Nord Stream begonnen. Im November 2011 wurde der erste und im Oktober 2012 der zweite Strang der Nord Stream in Betrieb genommen.

Bau der Gaspipeline Nord Stream. Rohrlegeschiff Solitaire

Bau der Gaspipeline Nord Stream. Rohrlegeschiff Solitaire

Das Gas wird in die Nord Stream durch die Verdichterstation Portowaja gepumpt. Von ihrer Gesamtleistung her (366 Megawatt) ist sie weltweit ein einzigartiges Objekt der Gasbranche.

Verdichterstation Portowaja. Russische Ostseeküste

Verdichterstation Portowaja. Russische Ostseeküste

Technologien

Für die Nord Stream kamen Rohre mit einem Durchmesser von 1.220 Millimetern zum Einsatz. Der Druck in der Gaspipeline beträgt am Ausspeisepunkt aus der an der russischen Küste gelegenen Verdichterstation Portowaja 220 bar (220 Kilogramm pro 1 Quadratzentimeter) und am Einspeisepunkt in Deutschland 106 bar.

Bevor Nord Stream gebaut wurde, gab es weltweit keine Pipelines, durch die Gas auf 1.224 Kilometer Entfernung ohne zusätzliche Kompressoren transportiert werden konnte. Darüber hinaus wurde ein Druckvorrat an der deutschen Küste geschaffen, denn in Greifswald gibt es ebenfalls keine Verdichterstation. Somit reicht die Energie nicht nur dazu aus, um das Gas durch die Ostsee ohne zusätzliche Verdichterstationen zu liefern, sondern um es auch noch 100 Kilometer über Festland zu transportieren.

Der Stahl, der im Rahmen des Projekts für die Fertigung von Rohren verwendet wurde, ist einzigartig. Den Stahlwerken ist es nicht gleich gelungen ein Material mit einem derartigen Festigkeits- und Elastizitätsgrad herzustellen. Die Innenflächen der Rohre wurden zudem auf eine Weise bearbeitet, dass die Rauheit des Metalls unter sechs Mikron liegt. Ein Mikron beträgt einen Tausendstel Millimeter. Um so einen Kennwert zu erreichen, wird ein Rohr zunächst mechanisch poliert. Anschließend wird auf das Metall eine spezielle glatte Kunststoffbeschichtung aufgetragen.

Fertigung von Rohren für die Gaspipeline Nord Stream

Fertigung von Rohren für die Gaspipeline Nord Stream

Dank den für dieses Projekt verwendeten Stoffen, Technologien und Lösungen kann mit einem störungsfreien Betrieb der Gaspipeline mindestens im Laufe von 50 Jahren gerechnet werden.

Die Hochsee-Gaspipeline ist im Betrieb nicht allzu kostspielig. Deren Zustand wird durch spezielle Molche kontrolliert, die in Russland ins Rohr eingeschleust und in Deutschland entnommen werden. Jeder von diesen sogenannten intelligenten Molchen stellt eine große Rechenzentrale dar. Die Gaspipeline ist dermaßen konstruiert, dass so ein Molch sie ungehindert passieren kann: Ihr Innendurchmesser, der millimetergenau berechnet ist, beträgt über den gesamten Verlauf der Trasse 1.153 Millimeter.

Inspektion von der Gaspipeline Nord Stream mit intelligenten Molchen

Inspektion von der Gaspipeline Nord Stream mit intelligenten Molchen

Der Außendurchmesser wird hingegen, je weiter von der russischen Küste entfernt, allmählich immer geringer und ist dem sinkenden Gasdruck angepasst. Im Verlauf der ersten 300 Kilometer muss das Rohr einem Druck von 220 bar standhalten. Über weitere fast 500 Kilometer liegt der Druck bei 200 bar und ferner bei 170 bar. An jedem dieser Abschnitte ist die Wand der Gaspipeline unterschiedlich dick – zwischen 34 und 27 Millimetern. Diese Aufteilung in einzelne Segmente ermöglichte es, die Kosten für die Herstellung von Rohren zu senken, ohne deren Zuverlässigkeit dadurch zu gefährden.

Auf die Außenseite des Rohrs wurde eine spezielle Antikorrosions- und Betonbeschichtung aufgetragen. Die Betonbeschichtung wird aus hochdichtem Eisenerz gefertigt, das zerkleinert, mit Zement vermischt und auf das Rohr aufgetragen wird. Im Endeffekt erhält das Rohr eine bewehrte spiralförmige Hülle, die mit Beton ausgefüllt ist, und wird anschließend 24 Stunden lang in speziellen Tunnels mit Dampf behandelt. Die Betonhülle ermöglicht es, gleich mehreren Aufgaben gerecht zu werden. Zum einen hält sie die Gaspipeline am Meeresgrund und fixiert das Rohr, damit es von der Strömung nicht fortgetrieben wird. Zum anderen dient sie als Abdichtung und schützt die Fernleitung gegen mechanische Außeneinwirkungen.

Betrieb, in dem die Betonbeschichtung aufgetragen wird

Betrieb, in dem die Betonbeschichtung aufgetragen wird

Die Umsetzung des Projekts Nord Stream war für die Entwicklung der russischen Rohrindustrie förderlich. Die Herstellung von Rohren mit großem Durchmesser für den ersten Strang der Gaspipeline übernahmen das Metallwerk Wyksa (25 Prozent) und der deutsche Konzern Europipe (75 Prozent). Die Rohre für den zweiten Strang wurden von OMK (25 Prozent), Europipe (65 Prozent) und der japanischen Sumitomo (10 Prozent) gefertigt.

Umwelt

Nord Stream stellt ein transnationales Projekt dar. Ihr Bau erfolgte nach Maßgabe der internationalen Abkommen und nationalen rechtlichen Regelungen der jeweiligen Länder, durch deren Hoheitsgewässer und/oder ausschließliche Wirtschaftszone die Gaspipeline verläuft.

Die Ostseegewässer entlang der Nord-Stream-Route wurden vor Baubeginn gründlich untersucht. Die Gaspipeline-Route wurde soweit möglich als gerade Linie ausgelegt und dabei maßgeblichen Navigationsrouten, ökologisch empfindlichen Gebieten und anderen Sonderzonen angepasst.

Der Bau der Nord Stream erfolgte nach Maßgabe der strengsten Umweltnormen und gefährdete nicht das Ökosystem der Ostsee. Um die Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren, wurden die Bauarbeiten während der Laichzeit der Heringe und der Rast von Zugvögeln in diesen Gegenden unterbrochen.

Insgesamt untersuchten Forschungsschiffe mehr als 40.000 Kilometer Meeresgrund, um dessen Relief und Bodenablagerungen zu prüfen sowie nach Munition und Objekten des Kulturerbes zu suchen. Experten prüften im Detail die chemische Zusammensetzung des Wassers entlang der Gaspipeline-Route sowie die Meeresflora und -fauna. Die dabei erhobenen Ergebnisse wurden in einer Studie zur Umweltverträglichkeitsprüfung ausgewertet, die den staatlichen Behörden aller Ostsee-Anrainerstaaten samt Antragsunterlagen im Genehmigungsverfahren vorgelegt wurde.

Andere gemeinsame Projekte

Deutschland

Erdgaslieferungen nach Deutschland erfolgen seit 1973. Zum ersten Abnehmer von Gas wurde die Firma Verbundnetz Gas. Heute ist Deutschland der weltweit größte Käufer von russischem Erdgas, und deutsche Unternehmen setzen zahlreiche Projekte gemeinsam mit der Gazprom Gruppe um.

Die Lagerstätte Juschno-Russkoje

Die Erschließung des Erdgasfeldes Juschno-Russkoje ist ein Beispiel für die effiziente deutsch-russische Partnerschaft, die auf die nachhaltige Energiesicherheit in Europa abzielt.

Östliches Gasprogramm

Gazprom ist der Koordinator des staatlichen Östlichen Gasprogramms, das die Schaffung eines geschlossenen Systems für die Förderung und den Transport von Gas sowie die Gasversorgung in Ostsibirien und im Fernen Osten unter Berücksichtigung eines möglichen Gasexports auf die Märkte Chinas und anderer Länder der asiatisch-pazifischen Region vorsieht.

Power of Siberia

Die Länge der Power of Siberia – ca. 3.000 Kilometer (von der Lagerstätte Kowyktinskoje im Verwaltungsgebiet Irkutsk bis zur Lagerstätte Tschajandinskoje in Jakutien – ca. 800 Kilometer, von der Lagerstätte Tschajandinskoje bis Blagoweschtschensk – ca. 2.200 Kilometer).

Nord Stream

Gaspipeline, die eine Direktverbindung zwischen Russland und Europa herstellt.

Das Projekt Nord Stream 2

Nord Stream 2 ist eine neue Exportpipeline aus Russland nach Europa über den Boden der Ostsee.

TurkStream

Die neue – als TurkStream bezeichnete – Erdgasleitung aus Russland in die Türkei wird von der VS Russkaja nahe Anapa auf dem Boden des Schwarzen Meeres bis zum Ort Kiyiköy im europäischen Teil der Türkei und weiter über die Ortschaft Lüleburgaz bis nach Ipsala an der türkisch-griechischen Grenze verlaufen.

Urengoiskoje

Mit dem Ziel, dieses komplizierte Vorhaben erfolgreich umsetzen zu können, haben Gazprom und Wintershall beschlossen, ihre Kräfte zu bündeln.

Megaprojekt Jamal

Auf der Jamal-Halbinsel befindet sich ein neues Gasfördergebiet von Gazprom. 2012 begann Gazprom die industriemäßige Erdgasförderung des Bowanenkowo-Gaskondensatfeldes – das größte auf der Halbinsel und eines der größten weltweit. Seine Vorräte belaufen sich auf nahezu 5 Billionen Kubikmeter.