Adäquate Reaktion auf Herausforderungen

22. Dezember 2020

Der Beitrag erschien in der Unternehmenszeitschrift „Gazprom“, Nr. 12. Das Gespräch führte Sergey Pravosudov

Fragen der Zeitschrift beantwortet Famil Sadygov, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der PAO Gazprom

Herr Sadygov, mit welchen Finanzergebnissen plant die Gazprom-Gruppe das Jahr 2020 abzuschließen?

Alle Unternehmen der Erdöl- und Erdgasbranche haben im Jahr 2020 schwer unter Druck gestanden. Im ersten Halbjahr haben wir einen nie dagewesenen Verfall der Öl- und Gaspreise beobachtet, wovon ausnahmslos alle Marktteilnehmer betroffen waren. Außerdem haben sich auf den europäischen Gasmarkt neben der Corona-Pandemie die anormal warme Witterung, erhebliche Gasvorräte in Speichern und ein überschüssiges Angebot an LNG ausgewirkt. Im zweiten Halbjahr erkennen wir, dass die Marktkonjunktur sich wiederherstellt, was zum Gesamtergebnis des Jahres 2020 positiv beitragen wird.

Dennoch wird sich die Dynamik der Energieträgerpreise, verglichen mit dem Vorjahr, auf die Finanzergebnisse der Gazprom-Gruppe negativ auswirken. Daher haben wir eine Reihe von Optimierungsmaßnahmen beschlossen, die derzeit erfolgreich umgesetzt werden.

Wir gehen unter anderem von einem komplexen Ansatz aus, um die Kostensteigerung unter Kontrolle zu behalten. Er umfasst eine Kostenoptimierung in der primären Phase der Haushaltsplanung, eine Aufarbeitung und Umsetzung von Maßnahmen zur Kostensenkung in Tochtergesellschaften der Gazprom, eine Kostenoptimierung in einzelnen Geschäftsfeldern und Ausschreibungsverfahren bei Beschaffungen.

Aufgrund von Jahresergebnissen 2020 soll der größte Effekt im Erdgassegment durch eine Kostenoptimierung erzielt werden: für den Ankauf von Gas bei Fremdunternehmen, für Gastransporte durch ausländische Staaten, für Dienstleistungen bei der Speicherung von Gas in UGS im Ausland sowie für Prospektionsarbeiten, Instandsetzung und Wärmeenergieversorgung.

Im Erdölgeschäft beruht der maximale Optimierungseffekt darauf, dass der Preis für das Beschaffungsportfolio von Erdöl und petrochemischen Produkten diversifiziert wird, wobei die Absatzmengen bewahrt bleiben.

Erwartungsgemäß wird das EBITDA der Gazprom-Gruppe im Jahr 2020 etwa 1,3 Billionen Rubel betragen

Neben Betriebskosten wurden auch an dem Niveau von Kapitalaufwendungen einschneidende Abänderungen vorgenommen. Sie wurden überarbeitet und daraufhin wurde der Umfang des Investitionsprogramms der Gazprom für das Jahr 2020 im Vergleich zum Jahr 2019 um 30 Prozent auf 922 Milliarden Rubel (gegenüber 1.323 Milliarden Rubel im Vorjahr) gekürzt.

Ich möchte betonen, dass wir bei der Planung von Optimierungsmaßnahmen davon ausgegangen sind, dass die Reduzierung der Betriebskosten und Kapitalaufwendungen sich auf die Erfüllung von Produktionsplänen und die Zuverlässigkeit von Gaslieferungen an Verbraucher keineswegs auswirken darf.

Angesichts der von uns getroffenen Optimierungsmaßnahmen, wird das EBITDA der Gazprom-Gruppe im Jahr 2020 erwartungsgemäß etwa 1,3 Billionen Rubel betragen.

Wachsende Kennzahlen

Erzählen Sie bitte, welche Eckdaten dem Gazprom-Haushalt für das kommende Jahr zugrunde gelegt worden sind.

Bei der Arbeit am Haushaltsplan sind wir vom gemäßigt optimistischen Ansatz ausgegangen, demzufolge der weltweite Gasmarkt sich im Jahr 2021 von dem Szenario der „ideellen Turbulenzen“, die wir in diesem Jahr beobachtet haben, allmählich erholen wird.

Wir haben dem Haushalt für das Jahr 2021 eine mäßige Zunahme von Gasexporten auf den europäischen Markt zugrunde gelegt: bis zu 183 Milliarden Kubikmetern, das heißt 13 Milliarden Kubikmeter mehr gegenüber dem Haushalt dieses Jahres. Der Durchschnittspreis für Gaslieferungen nach Europa liegt im Haushaltsplan für das Jahr 2021 auf dem Niveau von 170 US-Dollar pro 1.000 Kubikmeter. Dieser Wert übersteigt den Preis aus dem Haushaltsplan dieses Jahres um 44 US-Dollar (um 35 Prozent).

Die Gaslieferungen nach China durch die Pipeline Power of Siberia werden sich im Jahr 2021 verdoppeln. Während die Exporte ins nahe Ausland ungefähr auf dem Stand von diesem Jahr bleiben werden.

Für die Absatzmengen von Gas ist auf dem Binnenmarkt ein Zuwachs von 5,1 Milliarden Kubikmetern gegenüber dem Haushalt 2020 geplant. Sie sollen auf 225,2 Milliarden Kubikmeter steigen. Somit werden wir im Grunde genommen zu Plankennzahlen aus „der Zeit vor COVID-19“ zurückkehren. Die Preise auf dem Binnenmarkt werden ab Juli 2021 um drei Prozent dem Index angepasst, das heißt in genauer Übereinstimmung mit dem Entwurf zum Staatshaushalt.

Ausgehend von den benannten Mengen und Preisen werden die Erlöse aus dem Verkauf von Gas im Jahr 2021 um mehr als 800 Milliarden Rubel gegenüber diesem Jahr zulegen.

Der „Stresstest“, dem unser Konzern (ebenso wie die gesamte Weltwirtschaft) in diesem Jahr ausgesetzt war, hat uns dazu angeregt, an der Kostensenkung, die wir in diesem Jahr erfolgreich durchsetzen, noch aktiver und systematischer weiterzuarbeiten. Wir halten uns unter anderem bei der Vorbereitung des Kostenabschnitts im Haushalt für das Jahr 2021 an die Linie dieses Jahres, die Limits für Betriebskosten streng zu beschränken, und nutzen als Grundlage das Kostenniveau unter Berücksichtigung von Kürzungen, die im Jahr 2020 vorgenommen worden sind.

Auf diese Weise wird der Cashflow aus der operativen Tätigkeit im Jahr 2021 von zwei Eckdaten bestimmt: Die Einnahmen gegenüber diesem Jahr werden um 15 Prozent steigen, während die Ausgaben nur um vier Prozent zunehmen werden.

Der konservative Ansatz in Bezug auf die Kosten neben einer erwartungsgemäßen Wiederherstellung der Einnahmen ermöglicht es uns, für das Jahr 2021 eine beachtenswerte Steigerung des EBITDA (um ca. 50 Prozent) zu prognostizieren

Der konservative Ansatz in Bezug auf die Kosten neben einer erwartungsgemäßen Wiederherstellung der Einnahmen ermöglicht es uns, für das Jahr 2021 eine beachtenswerte Steigerung des EBITDA (um ca. 50 Prozent) zu prognostizieren.

Wir halten uns an einen ebenso konservativen Ansatz auch bei der Planung von Kapitalaufwendungen. Bekanntlich wählen die meisten großen Energiekonzerne heutzutage diese Strategie. Wie bereits erwähnt, wurde das Investitionsprogramm der PAO Gazprom für das Jahr 2020 um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr gekürzt. Im nächsten Jahr planen wir, die Investitionskosten der Muttergesellschaft fast auf dem Niveau dieses Jahres zu halten. Somit wird das Investitionsprogramm der Gazprom im Jahr 2021 in einem Umfang von 902 Milliarden Rubeln genehmigt. Ich möchte betonen, dass es dabei um eine Optimierung, nicht aber um eine mechanische Senkung der Investitionskosten geht: Die Termine für die Inbetriebnahme von Kernobjekten werden bestehen bleiben und den zuvor genehmigten Zeitplänen genau entsprechen.

Die Kapitalanlagen in unser Erdöl- und Stromgeschäft bleiben im Jahr 2021 ebenfalls ungefähr auf dem Niveau vom Vorjahr. Somit erwarten wir, dass die Kapitalanlagen in der Gazprom-Gruppe mit ca. 1,5 Billionen Rubeln (abzüglich Mehrwertsteuer) knapp über den Werten des Jahres 2020 liegen werden, weil Gazprom Mezhregiongaz die Finanzierung von Programmen zum Ausbau der Gasinfrastruktur in russischen Regionen aufstocken wird.

Diese Kapitalanlagen werden durch den operativen Cashflow komplett gedeckt sein, wodurch ein positiver freier Cashflow der Gazprom-Gruppe im Jahr 2021 gesichert ist. Wir haben auch im Haushaltsplan eine Wiederherstellung der in diesem Krisenjahr teilweise verwendeten Rückstellungen von etwa 400 Milliarden Rubeln auf mehr als 900 Milliarden Rubel vorgesehen.

Schuldenportfolio

Wie wird sich die Schuldenlast der Gazprom-Gruppe in den Jahren 2020 und 2021 verändern?

Die Kontrolle über die Schuldenlast genießt generell Priorität in unserer Finanzpolitik, insbesondere angesichts der schwachen Konjunktur an ausländischen Märkten. Wir haben uns dazu entschieden, Anleihen der PAO Gazprom im Jahr 2020 um 15 Prozent (von 583 Milliarden auf 501 Milliarden Rubel, abzüglich der Anleihen innerhalb der Unternehmensgruppe) auf einen Betrag herunterzufahren, den wir für die planmäßige Rückzahlung von Schulden und den Schuldendienst benötigen. Wir halten uns an denselben Ansatz auch bei der Haushaltsplanung für das Jahr 2021: Das Programm zu Fremdanleihen beläuft sich auf mehr als 510 Milliarden Rubel.

Unsere Tochtergesellschaften halten sich an die für sie vorgegebenen Schwellenwerte von Schuldenquoten und finanzwirtschaftlichen Kennzahlen und stimmen mit der Muttergesellschaft sowohl Anleiheprogramme als auch einzelne Transaktionen ab, wobei sie sich an die Limits und Finanzkennzahlen halten. Alle Unternehmen üben zielgerichtet eine Politik aus, die auf eine Reduzierung der Finanzierungskosten für das Schuldenportfolio aufgrund einer Refinanzierung bestehender Kredite und Darlehen ausgerichtet ist.

Darüber hinaus haben wir im Jahr 2020 an einer Erweiterung der Liste von verwendbaren Schuldeninstrumenten aktiv gearbeitet, indem wir unter anderem auf unbefristete Rubelanleihen und Eurobonds zurückgegriffen haben.

Zum Ende des dritten Quartals 2020 lag der relevante Wert der Schuldenlast – das Verhältnis der Nettoverschuldung (einschließlich Hinterlegungen) zum EBITDA in US-Dollar – bei 2,9. Eine Zunahme dieses Kennwertes ist vor allem durch rückläufige operative Gewinne unter dem Einfluss von marktwirtschaftlichen Faktoren sowie durch schrumpfendes liquides Vermögen in der Bilanz durch umfangreiche geleistete Auszahlungen (Dividenden in Höhe von 360 Milliarden Rubeln im August) bedingt. Wir erwarten, dass die Schuldenlast insgesamt laut Jahresergebnissen 2020 etwa bei drei liegen wird.

Die Schuldenlast auf diesem Niveau ist für uns selbstverständlich nicht allzu erfreulich, bleibt aber unter Kontrolle, was der Umsetzung von Maßnahmen zur Förderung des Cashflows und dem konservativen Ansatz beim Schulden- und Liquiditätsmanagement zu verdanken ist.

Ausgehend von den absehbaren Cashflows erwarten wir, dass die Nettoverschuldung der Gazprom-Gruppe im Jahr 2021 ungefähr auf dem Niveau dieses Jahres bleiben wird. Dabei wird eine erhebliche Steigerung des EBITDA sicherstellen, dass der Schlüsselwert „Nettoverschuldung zum EBITDA“ zum Jahresende 2021 auf ein akzeptables Niveau von zwei sinken wird.

Erwähnt sei, dass alle drei größten internationalen Ratingagenturen selbst in Zeiten der Instabilität an den Energiemärkten die Gazprom-Ratings auf Investitionsniveau bestätigt haben, was von unserer guten Bonität zeugt.

Zu welchem Zweck hat Gazprom unbefristete Eurobonds ausgegeben?

Im Oktober 2020 wurden wir zum ersten russischen Unternehmen, das so ein hybrides Finanzierungsinstrument am internationalen Anleihemarkt ausgegeben hat.

Auf der einen Seite sind wir dem zunehmenden Interesse internationaler Investoren für derartige Instrumente angesichts des globalen Trends zur Senkung der Zinssätze entgegengekommen. Auf der anderen Seite passt die Nutzung dieses für uns neuen Instruments völlig in unser Konzept zum Schulden- und Liquiditätsmanagement der Unternehmensgruppe.

Dank der angemessenen Strukturierung von Emissionen, die auf den Best Practices internationaler Kapitalmärkte beruht, werden die unbefristeten Anleihen nach IFRS-Regeln in das Gesellschaftskapital einfließen, was zu einer Reduzierung der Nettoverschuldung und der Schuldenlast im Verhältnis der Nettoverschuldung zum EBITDA führen wird.

Die kontinuierliche Arbeit mit der Investorengemeinschaft hat es ermöglicht, breite Investorenkreise aus den USA, Europa und Asien zu akquirieren. Im Endergebnis haben wir 1,4 Milliarden US-Dollar und eine Milliarde Euro beschaffen können, wobei die Nachfrage der Investoren den beantragten Umfang fast ums Dreifache überboten hat. Dank der Ausgabe dieser Instrumente hat Gazprom eine quasi Eigenkapitalfinanzierung zu attraktiven Zinssätzen bezogen. Von dem Erfolg dieser Ausgabe zeugt die mäßige Differenz zu unseren herkömmlichen Eurobonds, die geringer ist als bei ausländischen Unternehmen, die im Jahr 2020 hybride Finanzinstrumente ausgegeben haben.

Wir werden die bezogenen Gelder für allgemeine Unternehmenszwecke sowie teilweise für die Refinanzierung aktueller Verbindlichkeiten verwenden und somit zu einer Optimierung unseres Schuldenportfolios im Hinblick sowohl auf Fälligkeitstermine als auch auf Finanzierungskosten beitragen.

Die Ausgabe von „ewigen“ Anleihen für den Ausbau der Gasinfrastruktur ist im Gespräch. Wie kann das in der Praxis funktionieren?

Die Entwicklung der Gasversorgung und der Ausbau der Gasinfrastruktur in russischen Regionen gehört zu den vorrangigen Aufgaben der PAO Gazprom.

Für die Finanzierung des Programms zum Ausbau der Gasinfrastruktur in den Regionen planen wir unbefristete Rubelanleihen auszugeben. Als Emittent wird Gazprom Capital, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Gazprom agieren, über die wir üblicherweise Finanzierungen beziehen. Im November 2020 hat die russische Zentralbank das Programm zu Schuldverschreibungen der Serie 001B mit einem Nennwert von insgesamt 150 Milliarden Rubeln genehmigt. Die Ausgabe von Schuldverschreibungen im Rahmen dieses Programms soll im Jahr 2021 gestartet werden.

Die durch die Ausgabe unbefristeter Schuldverschreibungen erwirtschafteten Gelder werden auf die Gazprom Mezhregiongaz übertragen, um in den Bau von Objekten der Gasinfrastruktur zu investieren.

Die Finanzierung des Programms zur Entwicklung der Gasversorgung und zum Ausbau der Gasinfrastruktur in russischen Regionen mittels Emission von unbefristeten Anleihen ermöglicht es, akzeptable Schuldenlastwerte der Gazprom-Gruppe aufrechtzuerhalten, weil diese Instrumente, wie ich bereits in Bezug auf unbefristete Eurobonds gesagt habe, in der IFRS-Berichterstattung der Unternehmensgruppe im Eigenkapital ausgewiesen werden. Außerdem wird die Ausgabe derartiger Anleiheinstrumente auch für unsere Bonitätsratings einen positiven Faktor darstellen.

Die große landesweite Bedeutung des Programms zum Ausbau der Gasinfrastruktur in Regionen setzt eine gewisse staatliche Förderung bei der Ausgabe derartiger Anleihen voraus, indem der Staat Auszahlungen des Anleihezinses ausgleichen kann, sofern der Emittent diese verweigert.

Gehen Sie bitte darauf näher ein.

Im Auftrag der Regierung der Russischen Föderation arbeitet das Finanzministerium gemeinsam mit beteiligten föderalen Regierungsbehörden und der Gazprom an einem Mechanismus für eventuelle Ausgleichzahlungen durch den Staat für entfallene Einnahmen von Investoren, sofern der Emittent unbefristeter Anleihen die Auszahlung des Anleihezinses verweigert. So ein Mechanismus wird dazu beitragen, dass Anleihen in einem Umfang, der für die Finanzierung des Ausbaus der Gasinfrastruktur in russischen Regionen benötigt wird, auch zu geringeren Zinssätzen ausgegeben werden können.

Projektfinanzierung

Erzählen Sie bitte über Pläne im Bereich der Projektfinanzierung.

Indem Gazprom Methoden der Projektfinanzierung nutzt, sichert der Konzern eine Diversifizierung von Anleihequellen sowie eine weitere Effizienzsteigerung und Transparenz bei der Umsetzung maßgeblicher Investitionsprojekte. Wir planen, die Praxis der Projektfinanzierung auszuweiten.

Ich möchte hervorheben, dass unsere Transaktionen im Bereich der Projektfinanzierung fortschrittlich sind: So wurde die Transaktion zur Beschaffung der Finanzierung für den Bau des Gasverarbeitungswerkes Amur von internationalen Finanzkreisen hoch eingeschätzt, was für die Qualität ihrer Struktur und für ihre Bedeutung spricht. Diese Transaktion wurde mit dem Preis der TXF-Agentur „Perfect 10 Export Finance Deals of the Year“ in der Kategorie „Russische Transaktion des Jahres mit Abdeckung von Exportkreditagenturen“ sowie mit dem Preis der Proximo-Agentur „Beste Transaktion 2019 in Europa, Nahost und Afrika“ in der Kategorie „Erdöl und Erdgas Eurasiens“ gewürdigt.

Es sei daran erinnert, dass die für Gazprom größte und eine der umfangreichsten Transaktionen in Europa aus jüngster Vergangenheit zur Beschaffung der Projektfinanzierung für den Bau des Gasverarbeitungswerkes Amur im Dezember 2019 mit der Unterzeichnung von Kredit- und Sicherungsunterlagen über insgesamt 11,4 Milliarden Euro erfolgreich abgeschlossen worden ist. Die Gelder werden von 22 europäischen, asiatischen und russischen Banken bereitgestellt. So ein breiter Teilnehmerkreis spricht für das Interesse der internationalen Finanzgemeinschaft an der Arbeit mit der Gazprom-Gruppe, die höchste Kreditwürdigkeit genießt. Als Kreditnehmer agiert Gazprom Pererabotka Blagoveshchensk. Auf Seiten europäischer und japanischer Kreditinstitute beteiligen sich an dieser Transaktion 14 Banken. Sie stellen 3,66 Milliarden Euro mit einer Deckung durch westliche Exportkreditagenturen auf die Dauer von 17 Jahren zur Verfügung. Gazprom Pererabotka Blagoveshchensk hat als erstes russisches Unternehmen eine Projektfinanzierung mit Deckung durch Agenturen auf so lange Dauer bezogen und somit die marktführende Stellung der Gazprom am russischen Finanzmarkt bestätigt. Eine weitere Milliarde Euro wird ohne Deckung für 15 Jahre bereitgestellt.

Der Bau des Gasverarbeitungswerkes Amur, das von seinen Dimensionen her zu einem der weltweit größten Betriebe für Gausaufbereitung werden soll, wird aktiv fortgesetzt. Das Projekt ist zu 70,5 Prozent abgeschlossen. Die ersten Ausbaustufen werden bereits im nächsten Jahr in Betrieb genommen.

Wir arbeiten auch weiterhin an unserem anderen Großprojekt auf dem Gebiet der Gasverarbeitung. Momentan arbeitet Gazprom gemeinsam mit RusGazDobycha und RusKhimAlyans als Planungsunternehmen sowie mit ihren Finanzberatern (Gazprombank und VEB.RF) an der Beschaffung der Projektfinanzierung bei Umsetzung des Projektes für einen Betrieb zur Verarbeitung von ethanhaltigem Gas in Ust-Luga (Verwaltungsgebiet Leningrad). Die Kredite sollen sowohl von inländischen als auch von ausländischen Kreditanstalten, unter anderem mit Deckung durch Exportkreditagenturen bezogen werden. Wir rechnen mit einem erfolgreichen Abschluss dieser Transaktion, die unser Portfolio von Projektfinanzierungen erweitern wird.

Was Projekte auf dem Gebiet der Förderung von Kohlenwasserstoffen anbelangt, so werden derzeit Verhandlungen mit potenziellen Kreditgebern über die Beschaffung einer Projektfinanzierung für RusGazAlyans geführt. Unseren Vorstellungen zufolge, werden anfangs marktführende russische Banken als Kreditgeber agieren. Die Unterzeichnung einer Kreditvereinbarung ist bereits zum Jahresende 2020 geplant. Dieses Projekt wird in Partnerschaft mit RusGazDobycha umgesetzt. Die geförderten Höchstmengen aus der Lagerstätte Semakowskoje werden in der ersten Phase bis zu 7,5 Milliarden Kubikmeter jährlich betragen. Die Gasförderung soll im vierten Quartal 2022 aufgenommen werden.

Die Arbeit an der Beschaffung einer Projektfinanzierung für Achim Development, ein gemeinsames Planungsunternehmen mit der Wintershall Dea, befindet sich in einer fortgeschrittenen Phase. Dieses Gemeinschaftsunternehmen befasst sich mit der Erschließung und Ausbeute der Blöcke 4А und 5А in der Achimov-Formation der Lagerstätte Urengoiskoje. Gegenwärtig wird mit dem deutschen Geschäftspartner die Strategie einer langfristigen Projektfinanzierung für dieses Unternehmen erstellt sowie deren Termine und Umfang vereinbart.

Darüber hinaus wird eine umfangreiche Arbeit geleistet, um Möglichkeiten für eine Entlastung des Investitionsprogramms der PAO Gazprom für die Jahre 2021–2025 zu evaluieren. Dies wird es ermöglichen, wesentliche Abschnitte des Investitionsprogramms durch Projektfinanzierung und strukturierte Finanzierung zu ersetzen sowie zuvor angefallene Kosten mithilfe dieser Instrumente zu refinanzieren. Bei der Strukturierung von Projekten wird der Dekonsolidierung der entstehenden Schuldenlast in der Bilanz der Gazprom-Gruppe große Aufmerksamkeit gelten.

Diese Maßnahmen werden sich auf den freien Cashflow des Konzerns positiv auswirken und unsere finanzielle Stabilität steigern. Wir haben eine Liste vorrangiger Projekte aufgesetzt, von deren Umsetzung wir bereits im Jahr 2021 ein gewisses Ergebnis erwarten. Wir können es Mitte nächsten Jahres bekanntgeben, nachdem wir die Anpassung des Gazprom-Investitionsprogramms geprüft haben.

Dividenden und Kapitalisierung

Wie sehen die Pläne des Konzerns in Bezug auf die Dividendenausschüttung aufgrund von Jahresergebnissen 2020 aus?

Es wurde bereits mehrmals erwähnt, dass wir die Dividendenausschüttungen als wichtigen Faktor der Attraktivität des Konzerns für Investoren betrachten.

Ich möchte daran erinnern, dass wir in diesem Jahr unsere Verpflichtung, mindestens 30 Prozent des bereinigten Nettogewinns für das Jahr 2019 in Form von Dividenden auszuzahlen, erfüllt haben. Wir haben diesen Wert sogar überschritten, indem wir 36 Prozent bzw. 360 Milliarden Rubel ausgezahlt haben.

Angesichts des schwankenden Rubelkurses im Jahr 2020, der sich auf den Nettogewinn des Konzerns sehr negativ ausgewirkt hat, werden „nichtmonetäre“ Bereinigungen in erster Linie in Bezug auf Kursschwankungen für die Dividendenbeträge förderlich sein. Dies bestätigt, dass der Ansatz, der unserer Dividendenpolitik für die Berechnung der Dividendenbasis zugrunde gelegt worden war, richtig ist.

Die Dividendenbeträge werden aufgrund von Finanzergebnissen der PAO Gazprom im Jahr 2020 festgestellt. Hervorzuheben ist, dass der Aufsichtsrat laut Dividendenpolitik zusätzliche Faktoren bei der Feststellung des Dividendenbetrages berücksichtigen kann, sofern die Schuldenlast aufgrund des Verhältnisses der Nettoverschuldung zum EBITDA den Grenzwert von 2,5 überschreitet.

Offensichtlich wird die Schuldenlast aufgrund von Jahresergebnissen 2020 wegen des Verfalls von Öl- und Gaspreisen an den Weltmärkten den Quotienten von 2,5 überschreiten. Dennoch werden wir dem Aufsichtsrat empfehlen, die Überschreitung des Schwellenwertes für die Schuldenlast nicht als formalen Vorwand für eine Herabsetzung der Dividendenbeträge zu nutzen. Aufgrund von Jahresergebnissen 2020 halten wir es für möglich, 40 Prozent des bereinigten Nettogewinns nach Maßgabe der Dividendenpolitik auszuzahlen.

Es sei auch daran erinnert, dass die Dividendenpolitik ab dem Jahr 2021 eine Umstellung auf die Auszahlung von mindestens 50 Prozent des bereinigten Nettogewinns gemäß IFRS an die Aktionäre voraussetzt.

Aufgrund von Jahresergebnissen 2020 halten wir es für möglich, 40 Prozent des bereinigten Nettogewinns nach Maßgabe der Dividendenpolitik auszuzahlen

Bestehen Voraussetzungen dafür, dass die Kapitalisierung der Gazprom steigen wird?

Wir sind davon überzeugt, dass die Gazprom-Aktien über ein erhebliches Wachstumspotenzial verfügen. Im Jahr 2020 haben unsere Aktien, ebenso wie der gesamte Markt, eine hohe Volatilität aufgewiesen, weil die ungünstige Konjunktur an den Öl- und Gasmärkten sich auf sie ausgewirkt hat.

Dennoch konnte der Konzern seine führende Stellung an allen maßgeblichen Märkten bewahren. Dies ist seinen grundlegenden Wettbewerbsvorteilen sowie seiner operativen Reaktion auf die akute Marktsituation, die Gazprom in diesem Jahr an den Tag gelegt hat, zu verdanken. Wir sind überzeugt, dass diese Tatsache sich auch in den Börsenkursen niederschlagen wird, sobald die Ungewissheit an den Kapitalmärkten und in der Weltwirtschaft nachlässt. Außerdem wurde die Steigerung der Gaspreise an den europäischen Hubs unserer Meinung nach bei Feststellung des Aktienkurses der Gazprom noch nicht angemessen berücksichtigt.

Der Aktienpreis der Gazprom wird dank des zunehmenden freien Cashflows der Unternehmensgruppe langfristig wachsen. Dafür gibt es folgende Gründe:

  • der Abschluss von Bauarbeiten und die anschließende Auslastung unserer Gaspipelines Nord Stream 2 und TurkStream werden es ermöglichen, die Transportkosten für Gasexporte nach Europa zu senken;
  • jährliche Gasliefermengen nach China durch die Pipeline Power of Siberia können auf 38 Milliarden Kubikmeter im Jahr 2025 hochgefahren werden, mit einer Option, sie auf 44 Milliarden Kubikmeter aufzustocken, sofern entsprechende Vereinbarungen getroffen werden;
  • mit der Inbetriebnahme des Gasverarbeitungswerkes Amur und des LNG-Werkes in Ust-Luga werden die verarbeiteten Gasmengen zulegen;
  • Einnahmen aus dem Erdölgeschäft der Unternehmensgruppe werden steigen;
  • mehrere kleinere Projekte werden umgesetzt und es ist eine komplexe Effizienzsteigerung auf allen Ebenen vorgesehen, was einen wichtigen Bestandteil der Strategie der Gazprom-Gruppe ausmacht.

Ferner setzt die strikte Einhaltung unserer Dividendenpolitik ebenfalls ein wichtiges positives Zeichen für Investoren. Aufgrund von Jahresergebnissen 2021 werden wir unseren Aktionären Dividenden in Höhe von 50 Prozent des bereinigten Nettogewinns gemäß IFRS sichern. Anschließend wir die Zunahme des freien Cashflows mit der Gewinnsteigerung korrelieren, was sich auf die wachsenden Einnahmen unserer Aktionäre positiv auswirken wird.

Mit jedem Jahr gewinnt das Thema der nachhaltigen Entwicklung für Investoren immer mehr an Bedeutung. In dieser Frage nehmen wir ebenfalls eine proaktive Haltung ein und entwickeln sämtliche Komponenten in diesem Bereich.

Wir schenken besondere Aufmerksamkeit unseren Interaktionen mit der Investorengemeinschaft trotz epidemiologischer Einschränkungen, indem wir digitale Technologien nutzen, und zeigen Transparenz und Bereitschaft zu einem ständigen Dialog.

Ich möchte hinzufügen, dass die meisten Analysten von Investmentbanken trotz Turbulenzen an den Öl- und Gasmärkten nach wie vor empfehlen, Gazprom-Aktien zu kaufen, weil sie ein erhebliches Wachstumspotenzial unserer Wertpapiere erkennen.

Die gute Qualität der Aktiva samt konservativem Ansatz in der Finanzpolitik ermöglichen es der Gazprom, bei beliebiger Marktkonjunktur ein zuverlässiges und stabiles Unternehmen zu bleiben und – was äußerst wichtig ist – operativ und adäquat auf Herausforderungen zu reagieren, denen wir als einer der weltweit marktführenden Energiekonzerne ausgesetzt sind.