Stabile Gesellschaft. Interview mit Andrey Kruglov

Fotos können unter Quellenangabe verwendet werden.

26. Dezember 2014

Der Beitrag erschien in Nr. 12 des Gazprom Korporationszeitschrift, das Gespräch führte Sergey Pravosudo

Andrey Kruglov, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Leiter des Departments Finanzen und Wirtschaft der OAO Gazprom, beantwortet Fragen des Magazins

Herr Kruglov, mit welchen Finanzergebnissen plant die Gazprom Gruppe das Jahr 2014 abzuschließen?

Das Jahr 2013 war für die Gazprom hinsichtlich einer Reihe ausschlaggebender finanzieller Kennzahlen wie etwa Erlös und EBITDA ein Rekordjahr. Dank ihren beachtenswerten finanziellen Ergebnissen gehörte die Gazprom im Verlaufe der letzten drei Jahre mit ihrem Reingewinn zu den drei größten Konzernen der Welt.

Gegenwärtig sind die finanziellen Resultate der Gazprom dem Druck etlicher negativer Faktoren ausgesetzt: Unter anderem fallen die Preise für Erdöl und Erdölprodukte, die an diese gebundenen Exportpreise für Erdgas fangen ebenfalls an zu sinken. Wir erwarten allerdings für 2014 ein höheres EBITDA als 2012. Ein wichtiger Faktor, der sich auf den Rückgang der Rentabilitätskennzahlen von 2014 auswirkte, waren die Anrechnung der Reserve aus der Verschuldung der NАК Naftogaz of Ukraine, die sich auf die Erhöhung der Operationskosten der Gesellschaft auswirkte, wie auch die steigenden Kosten wegen der Kursdifferenz, die aus dem sinkenden Rubel-Kurs resultierte. In diesem Jahr sind die Gaslieferungen nach Ländern der ehemaligen UdSSR zurückgegangen, und zwar im Wesentlichen wegen geringerer Lieferungen in die Ukraine. Darüber hinaus kommt es wegen der allgemeinen Verringerung der Nachfrage nach Erdgas aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Situation in EU-Ländern zu einem geringfügigen Rückgang der Gaslieferungen nach Europa.

Insgesamt sind die Verkaufserlöse der Gazprom Gruppe in den ersten sechs Monaten 2014 gegenüber 2013 um knapp elf Prozent gestiegen; aufgrund der Jahresergebnisse erwarten wir auch einen höheren Erlös im Rubel-Äquivalent.

Ich gehe davon aus, dass die Gazprom ungeachtet einer gewissen Reduzierung der finanziellen Kennzahlen im Dollar-Äquivalent mit den Resultaten auch dieses Jahres, was das EBITDA betrifft, zu den internationalen Spitzenreitern zählen wird.

Verschuldung

Wie bewerten Sie den aktuellen Stand und die Perspektiven der Schuldenlast der Gazprom Gruppe?

Aufgrund der Ergebnisse des ersten Halbjahres 2014 belief sich die Gesamtverschuldung der Gruppe auf 54,7 Milliarden Dollar. Ungeachtet der beachtlichen Schuldensumme in absolutem Ausdruck befinden sich die Größe der Gesamtverschuldung und die Schulden-Kennwerte der Gazprom Gruppe historisch auf einem für die Gesellschaft komfortablen Niveau, wobei die Bilanz der Gruppe mehr als 20 Milliarden Dollar an Geldmitteln enthält, die die Höhe der Nettoverschuldung reduzieren.

Das Verhältnis der Nettoverschuldung der Gazprom Gruppe zum korrigierten EBITDA betrug 0,5 bei maximal zulässigem Wert von 1,4

Unsere konsequente konservative Politik im Schuldenmanagement sicherte der Gruppe optimales Schuldenportfolio und finanzielle Stabilität. Aufgrund der Ergebnisse des ersten Halbjahres 2014 machte das Verhältnis der Gesamtverschuldung zum korrigierten EBITDA 1,0 aus; der maximal zulässige Wert dieser Kennzahl beträgt indes für die Gruppe gemäß unseren eigenen Einschränkungen 1,6 bis 1,7.

Wir sollten berücksichtigen, dass das Verhältnis der Nettoverschuldung der Gruppe zum korrigierten EBITDA 0,5 ausmachte, und zwar bei maximal zulässigem Grenzwert von 1,4. Damit liegt die Schuldenlast der Gazprom Gruppe auf einem mit den führenden Öl- und Gasgesellschaften der Industrienationen vergleichbaren Niveau und auf einem wesentlich komfortableren Niveau im Vergleich zu den größten Öl- und Gas fördernden Unternehmen der Entwicklungsländer wie etwa Petrobras und Rosneft.

Wir haben das Portfolio der Schuldenbegleichung wesentlich verlängert und dadurch die Liquidität der Gruppe verbessert. Nach Ergebnissen des ersten Halbjahres 2014 machten die Verbindlichkeiten mit mehr als fünfjähriger Tilgungsfrist rund ein Drittel des Schuldenportfolios aus, der Umfang der kurzfristigen Verschuldung verringerte sich auf 16 Prozent. Im Verlauf der letzten fünf Jahre ist der Schuldenwert dank unseren Anstrengungen zur Refinanzierung von Krediten mit hohen Zinssätzen stabil zurückgegangen.

Somit schließt die aktuelle Struktur des Schuldenportfolios das Risiko wesentlicher Erhöhung der Zinssätze in diesem Portfolio aus. Künftighin wollen wir gleichfalls an der konservativen Politik der Schuldenverwaltung festhalten und die Schuldenkennwerte im Komfortbereich aufrechterhalten. Wie wir sehen, wird diese Vorgehensweise durch internationale Rating-Agenturen hoch bewertet. So wird in einer Pressemitteilung der Agentur Fitch vom Oktober dieses Jahres auf die hohe Kreditfähigkeit der Gazprom hingewiesen, die dem Unternehmen gestatte, auf Finanzierungen aus mehreren Quellen zurückzugreifen, wie auch darauf, dass diese unter den russischen Unternehmen den besten Zugang zu Finanzierungsquellen habe.

Die Stärke des Kreditportfolios und das Interesse für Schuldverschreibungen des Konzerns werden durch die kürzliche Emission von Eurobonds der Gazprom im Werte von 700 Millionen Dollar belegt, die die Gazprom seit Juli als erstes unter den russischen Unternehmen auf dem internationalen Markt platzierte.

Sanktionen

Wie können sich die antirussischen Sanktionen auf die finanzielle Situation der Gazprom Gruppe auswirken?

Im dritten Quartal dieses Jahres sind in der Tat zusätzliche Sanktionen der USA, der EU und einer Reihe von Ländern, die sie unterstützen, wirksam geworden. Damit wurden mehreren russischen Großunternehmen wesentliche Einschränkungen auferlegt. Es geht um den Zugang zu traditionellen Finanzierungsquellen wie auch zu Dienstleistungen und Technologien, die für komplizierte technologische Projekte wie Tiefseebohrungen, Arbeit auf arktischem Schelf oder Gewinnung von Schieferöl benötigt werden. Die OAO Gazprom ist durch besagte finanzielle Sanktionen nicht betroffen, dafür aber unsere Tochtergesellschaft ОАО Gazprom Neft. Wie schon erwähnt, konnte die Gazprom nach Verhängung der Sanktionen als erster unter den russischen Emittenten ihre Eurobond-Emission erfolgreich platzieren. Ich will anmerken, dass der führende Organisator der Emission die größte US-amerikanische Bank J.P. Morgan war und dass 77 Prozent der Endkäufer dieser Eurobonds auf Investitionsfonds aus den USA und Großbritannien entfielen.

Unsere Tochtergesellschaft Gazprom Neft bemüht sich momentan zur Abwendung negativer Folgen finanzieller Sanktionen um Finanzierungen aus Quellen im Inland und von Kapitalmärkten, die sich diesen Sanktionen nicht angeschlossen haben.

Der Erfolg dieser Aktivitäten wird durch die Kredite belegt, die die ОАО Gazprom Neft im dritten Quartal dieses Jahres von der Sberbank und der Rosselkhozbank erhielt. So unterzeichnete die Gazprom Neft im September mit der OAO Rosselkhozbank einen langfristigen Kreditvertrag über 30 Milliarden Rubel mit einem Zinssatz von 11,90 Prozent und der Tilgungs-Deadline 2019. Im selben Monat konnte die Gesellschaft langfristige Kredite in Höhe von jeweils 22,5 und 12,5 Milliarden Rubel mit Zinssätzen von 11,98 bzw. 12,08 Prozent und Tilgungsfrist bis 2019 aufnehmen.

Zwecks Reduzierung negativer Auswirkungen der Sanktionen auf den Zugang zu Dienstleistungen und Technologien, die für komplizierte technologische Projekte erforderlich sind, sucht die Gazprom Gruppe Lieferanten derartiger Dienstleistungen und Technologien in Ländern, die sich keinen Sanktionen angeschlossen haben. Es sollte auch betont werden, dass die Erlöse aus Projekten, die durch Sanktionen direkt betroffen sind, auf die finanziellen Resultate der Gruppe von keinem wesentlichen Einfluss sind. Die Gazprom mit ihren beachtlichen Leistungsreserven an eigenen Förderkapazitäten ist dazu noch in der Lage, die Umsetzungstermine für derartige Projekte ohne spürbare finanzielle Folgen zu verschieben. Unsere Gesellschaft bewertet regelmäßig den möglichen Effekt der verhängten Sanktionen und erwartet momentan keine beachtenswerten Auswirkungen dieser Sanktionen auf die finanziellen Resultate der Gazprom Gruppe.

Steuern

Was wird die Gazprom 2014 und 2015 an Steuern entrichten müssen?

Hinsichtlich der Besteuerungsdynamik sollten wir beachten, dass die Unternehmen der Erdgas- und Erdölindustrie als Steuerzahler den größten Beitrag zum Haushalt der Russischen Föderation leisten. Die Gazprom ist seit vielen Jahren Russlands größter Steuerzahler. Aufgrund der Ergebnisse von 2013 überwies sie an den Haushalt 1,8 Billionen Rubel; dabei erreichten die Steuerabgaben allein aus dem Gasgeschäft der Gazprom 1,2 Billionen Rubel.

Die Gazprom ist seit vielen Jahren Russlands größter Steuerzahler. Aufgrund der Ergebnisse von 2013 überwies sie an den Haushalt 1,8 Billionen Rubel

2014 erwarten wir eine gewisse Erhöhung der Steuer- und Zollaufwendungen im Segment des Gasgeschäfts der Gazprom Gruppe, die mit 1,3 Billionen Rubel prognostiziert werden. Zu den Hauptfaktoren höherer Besteuerung zählen die Erhöhung der jahresdurchschnittlichen Sätze der Steuer auf Rohstoffgewinnung, die für Erdgas gelten, von 602 auf knapp 700 Rubel je tausend Kubikmeter im Jahre 2014 (seit dem zweiten Halbjahr wurde eine Satzberechnungsformel implementiert) sowie die Aufstockung der Vermögenssteuer für Ferngasleitungen, Stromleitungen und als integrierter Bestandteil dazu gehörende Anlagen wegen der 2014 erfolgten Erhöhung des betreffenden Steuersatzes von 0,4 auf 0,7 Prozent. Die Zahlungen aus dem Erdöl- und dem Elektroenergiegeschäft werden 500 Milliarden Rubel übersteigen, summarische Steuer- und Zollabgaben aufgrund der Jahresergebnisse werden mit 1,8 Billionen Rubel prognostiziert.

2015 können aus dem Gasgeschäft an die Haushalte aller Ebenen 1,4 Billionen Rubel überwiesen werden. Die Steuert- und Zollabgaben aus dem Erdöl- und Elektroenergiegeschäft können im Basisszenario gegenüber dem laufenden Jahr etwas zunehmen, sie werden jedoch in hohem Maße von der Dynamik der Ölpreise, an die für Erdöl geltende Steuersätze für Rohstoffgewinnung gebunden sind, sowie von Exportzöllen für Erdöl und Erdölprodukte abhängen.

Hinsichtlich der Steuer- und Zollabgaben der Gruppe an den Staatshaushalt sollten wir auch beachten, dass die Gazprom im Einklang mit der geltenden Gesetzgebung im Unterschied zu den russischen Erdölgesellschaften den Großteil der verkauften Gasmengen (52 Prozent im ersten Halbjahr 2014) auf den Binnenmarkt liefert, und zwar zu regulierten Preisen, die nicht einmal ein Drittel der europäischen Marktpreise erreichen, wodurch sie die russische Wirtschaft in wesentlichem Maße unterstützt.

Wie sehen Ihre Pläne in der Projektfinanzierung aus?

Durch Instrumente der Projektfinanzierung kann die Gesellschaft große Investitionsprojekte erfolgreich finanzieren und Mittel für die Umsetzung ihres umfangreichen Investitionsprogramms freisetzen. So werden unter Hinzuziehung von Projektfinanzierungen gemeinsam mit ausländischen Partnern die Projekte Sachalin-II (6,7 Milliarden Dollar), Nord Stream (6,4 Milliarden Euro) oder die Erschließung des Vorkommens Juschno-Russkoje (1,1 Milliarden Euro) realisiert. Die OOO Gazprom Investproject, eine Tochtergesellschaft der ОАО Gazprom, nahm eine Projektfinanzierung in Höhe von 19,450 Milliarden Rubel für den Bau des Wärmekraftwerks Adler in Anspruch.

Gegenwärtig sollen besonders wirksame Methoden der Projektfinanzierung bei der Erschließung der Atschimow-Formationen des Gaskondensat-Vorkommens Urengojskoje, beim Bau eines LNG-Werkes im Verwaltungsgebiet Leningrad und der dritten Produktionsstrecke des LNG-Werkes auf der Insel Sachalin sowie beim Bau des Gasverarbeitungs- und Heliumwerkes Amur genutzt werden.

In Zukunft sollen Projekte der Gazprom Gruppe auf der Basis von Projektfinanzierung in Russland wie in Ländern des nahen Auslands unter Mitwirkung der ООО Gazprom Investproject als bevollmächtigte Tochtergesellschaft umgesetzt werden.

Asien

Wie sind Ihre Pläne für Zusammenarbeit mit chinesischen Banken?

In der gegenwärtigen Situation prüfen wir die Möglichkeit einer Erweiterung der Auswahl an Finanzierungsquellen, unter anderem arbeiten wir mit asiatischen Finanzinstituten aktiv zusammen. So werden momentan Perspektiven der Zusammenarbeit mit mehreren Banken erörtert, darunter im Rahmen der Handels- und Unternehmensfinanzierung, der Emission von Obligationen der Gazprom in Offshore Yuan und der Organisation eines Rubel-Yuan-Verrechnungssystems. Wir ziehen chinesische Geschäftsbanken nicht allein als Schlüsselpartner bei der Finanzierung für Gaslieferungen nach China erforderlicher Objekte mit in Betracht, sondern auch als potentielle Organisatoren einer Kreditfinanzierung für allgemeine Unternehmensbelange der Gazprom.

Wie stehen die Perspektiven der Notierung von Gazprom-Aktien?

Die Gazprom zählt mit ihren Operationskennziffern, aber auch mit den finanziellen Schlüsselkennzahlen wie EBITDA und Reingewinn zu den größten Öl- und Gasgesellschaften der Welt. Ungeachtet der positiven Finanzergebnisse wirkten sich auf die Dynamik der Unternehmensaktien jedoch im Wesentlichen folgende Makrofaktoren aus: die Situation in der Ukraine, die Sanktionen gegen mehrere russische Unternehmen, der beachtliche Rückgang der Weltölpreise und die Dynamik der Rubel-Raten.

Diese Faktoren beeinflussen sicherlich die Aktienpreise und die Volatilität des Marktes als Ganzes. Es sollte jedoch vermerkt werden, dass die Gazprom-Aktien die Dynamik des russischen MICEX-Indexes überboten, indem sie seit Jahresbeginn drei Prozent im Rubel-Ausdruck zulegten, und zwar von 138 Rubel je Aktie am Jahresanfang auf 142 Rubel am 17. November. Als russischer Schlüsselexporteur gewinnt die Gazprom durch niedrigeren Rubel-Kurs. Ich bin sicher, dass der Wert der Gazprom-Papiere ein wesentliches Wachstumspotential besitzt, was auch durch Prognosen von Aktienmarkt-Analytikern bestätigt wird. So beläuft sich laut diesen Prognosen der durchschnittliche Zielpreis einer Aktie auf 185 Rubel, was ein Wachstumspotential von 30 Prozent in aktuellen Preisen bedeutet.

Gegenwärtig wird die Möglichkeit des Listings der Wertpapiere an der Hong Kong Stock Exchange sowie der Erhöhung des Listing-Niveaus an der Singapore Exchange geprüft

Schlüsselziel der Gazprom ist Vergrößerung des Unternehmenswertes für die Aktionäre, und wir ergreifen alle erforderlichen internen Maßnahmen zur Erhöhung der Kapitalisierung. Neben der Verbesserung unserer Operationstätigkeit widmen wir der Erhöhung des Niveaus unseres Unternehmens-Managements und dem Zusammenwirken mit der Investorengemeinschaft besondere Beachtung.

Wird die Gazprom in asiatische Wertpapiermärkte eintreten?

Im Juni dieses Jahres absolvierten die Global Depositary Receipts für Gazprom-Aktien die primäre Listing-Prozedur und wurden in die Notierungsliste der Singapore Exchange aufgenommen. Gegenwärtig wird die Möglichkeit eines Listings der Wertpapiere an der Hong Kong Stock Exchange sowie der Erhöhung des Listing-Niveaus an der Singapore Exchange geprüft.

Was das Listing an der Hong Kong Stock Exchange betrifft, so bietet die Gesetzgebung der Russischen Föderation der russischen Regulierungsbehörde keine Möglichkeit, mit der Internationalen Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden (IOSCO) ein Abkommen zu schließen, das eine Schlüsselvoraussetzung für das Listing russischer Wertpapiere in Hong Kong darstellt. Aus diesem Grund wurde die Prüfung einer Alternative initiiert, nämlich der Möglichkeit, ein Abkommen zwischen der Regulierungsbehörde des russischen Finanzmarktes, der russischen Zentralbank, und der Regulierungsbehörde des Finanzmarktes von Hong Kong, der Securities & Futures Commission, abzuschließen, wodurch rechtliche Hürden schon 2015 überwunden werden könnten.

Die Gazprom wird den meisten Quantitäts-, Finanz- und Operationsvorgaben der Hong Kong Stock Exchange voll gerecht. Wichtig ist, dass unsere Gesellschaft mit einem Teil ihres Geschäfts durch Partnerschaftsbeziehungen und gemeinsame Projekte mit asiatischen Unternehmen in Asien präsent ist. Durch den kürzlich unterzeichneten Gasvertrag mit der China National Petroleum Corporation (CNPC) hat die Gazprom alle Chancen, hinsichtlich des Listings seitens der Hong Kong Stock Exchange Unterstützung zu erhalten.

Rentabilität

Wie sieht es mit den Plänen der Gazprom Gruppe in Bezug auf Kostenreduzierung aus?

Die ОАО Gazprom praktiziert bei der Kostenkontrolle eine komplexe Vorgehensweise; sie bezweckt eine Optimierung der Kosten in der Phase der Budgetgestaltung, die Umsetzung eines Programms zur Kostenreduzierung einschließlich der Effizienz der Beschaffung von Waren, Arbeiten und Dienstleistungen auf Wettbewerbsbasis, die Umsetzung von Plänen zur Kostenoptimierung in den einzelnen Geschäftsbereichen sowie Realisierung von Maßnahmen zur Ausführung des Auftrags des Präsidenten der Russischen Föderation, die Aufwendungen für den Erwerb von Waren (Arbeiten bzw. Dienstleistungen ) je Produkteinheit um mindestens zehn Prozent pro Jahr im Verlaufe von drei Jahren zu reduzieren.

Die genannten Aktivitäten beschränken sich nicht allein auf das Gasgeschäft als unser Hauptgeschäftsfeld. Alle Tochtergesellschaften einschließlich der größten von ihnen, der ОАО Gazprom Neft und der ООО Gazprom Energoholding, müssen eigene Programme der Kostenoptimierung besitzen

Als konkretes Beispiel für Aufgabenstellungen zur Kostenoptimierung lässt sich die Verwaltung der Einkaufsvorgänge anführen, wo es uns darauf ankommt, die Wachstumsraten der Preise für materiell-technische Ressourcen, die wir für die Belange der Gesellschaft einkaufen, um mindestens 20 Prozent gegenüber den Raten zu senken, die das russische Wirtschaftsministerium für entsprechende Industriezweige prognostiziert.

Wird die Rentabilität der Gazprom steigen oder sinken?

Die Gazprom gehört heute mit ihren Rentabilitätskennzahlen zur Spitze der führenden Energieunternehmen der Welt. Laut Berichterstattung nach internationalen Standards für das letzte vollendete Finanzjahr betrug die Rentabilität der Gazprom 2013 nach dem EBITDA 38 und nach dem Reingewinn 22 Prozent. Zum Vergleich: Beim führenden amerikanischen Öl- und Gaskonzern ExxonMobil waren es entsprechend 17 bzw. 7 Prozent und bei der führenden russischen Erdölgesellschaft, der Rosneft, 28 bzw. 17 Prozent.

In der nächsten Zeit werden etliche negative externe Faktoren auf die Rentabilitätskennziffern der Gazprom Druck ausüben. Dazu gehören der Rückgang der Preise für Erdöl und Erdölprodukte sowie der daran gekoppelten Gas-Exportpreise, die wesentliche Verringerung der Wachstumsraten der regulierten Gaspreise auf dem Binnenmarkt, Verluste durch Kursdifferenzen wegen dem gesunkenen Rubel-Kurs wie auch die unvollständige Bezahlung der gelieferten Gasmengen durch die Naftogaz of Ukraine.

Allerdings sind die Rentabilitätsparameter nach EBITDA und Reingewinn in der am 30. Juni 2014 zu Ende gegangenen zwölfmonatigen Periode lediglich um relativ geringfügige Größen, auf 37 bzw. 18 Prozent, gesunken. In den letzten zehn Jahren schwankte die EBITDA-Rentabilität der Gazprom zwischen 35 und 45 Prozent.

Künftighin wird der Rentabilitätsstand der Gazprom in mittelfristiger Perspektive von externen Verhältnissen abhängen, darunter auch von der Dynamik der Öl- und Gaspreise auf den Schlüsselmärkten und von der staatlichen Regulierung unserer Industrie. Zugleich existiert eine ganze Reihe von Voraussetzungen für höhere Rentabilität unseres Unternehmens. Die Gazprom bemüht sich unentwegt um Kostenoptimierung und straffe Budgetierung der Aufwendungen in allen Tätigkeitssegmenten der Gesellschaft. Ein wesentlicher Teil der Verluste wegen der gesunkenen Ölpreise wird durch den verringerten Rubel-Kurs aufgewogen. Durch das Überwiegen der Dollarkomponente in den Erlösen über dem Anteil in Fremdwährungen ausgedrückter Unkosten kommt es dabei zu einer wesentlichen Reduzierung der Kosten und einem Anstieg der Rentabilität.

Als wichtiger Faktor kann sich eine eventuelle Verringerung der Gasimporte aus Mittelasien und deren Ablösung durch eigenes Gazprom-Gas, unter anderem aus dem 2012 angelaufenen Vorkommen Bowanenkowskoje, bei Exportlieferungen erweisen. Im Weiteren sollen wachsende Gasexporte wegen des Starts der Lieferungen nach China über die Ostroute sowie, wie wir beabsichtigen, über die Westroute einen wesentlichen Beitrag zur Rentabilitätssteigerung leisten.