Sicherheit und Stabilität

Fotos können unter Quellenangabe verwendet werden.

2. Juni 2014
Dieser Beitrag erschien im Heft № 5 der Gazprom Korporationszeitschrift

Gazprom baut unterirdische Gasspeicherung im In- und Ausland aktiv aus

Die Erweiterung des Einheitlichen Gasversorgungssystems Russlands und aktive Umsetzung neuer Projekte für russische Erdgaslieferungen nach Europa und in die Asiatisch-Pazifische Region stellen weitaus höhere Anforderungen an die Sicherheit und Stabilität der Lieferungen von blauem Brennstoff an russische und ausländische Kunden. In dieser Situation bilden Untergrundspeicher (UGS) eine zusätzliche Sicherheitsreserve für die Gastransportsysteme der Gazprom. Das UGS-Netzt gewährleistet bereits jetzt während der Heizungsperiode bis zu 20 Prozent aller Gaslieferungen des Unternehmens, wobei dieser Anteil in extrem kalten Perioden auch 40 Prozent erreichen kann. Nichtsdestotrotz bleibt der Ausbau dieses Speichernetzes nach wie vor eine der aktuellsten Aufgaben der Gazprom Gruppe.

Die Lieferungen von Erdgas an die Abnehmer weisen im Verlaufe eines Jahres recht starke Schwankungen auf; während der je nach Klimaverhältnissen in der jeweiligen Region unterschiedlich langen Heizungssaison nehmen sie stark zu. Zur Abdeckung des höheren Winterverbrauchs speichert Gazprom im Frühjahr und Sommer gewonnenes überschüssiges Gas in UGS ein, aus denen es nach Kälteanbruch wieder ausgespeichert wird. Darüber hinaus gewährleisten UGS-Vorräte reibungslose Lieferungen und im Bedarfsfall, so etwa bei Eintreten einer Force-Majore-Situation, eine Vergrößerung der an die Kunden gelieferten Gasmengen. Im Verbund mit Ferngasleitungen betriebene Spitzen- und Basis-UGS gestatten, für technologische Ausrüstungen unerwünschte abrupte Leistungsschwankungen durch Einspeicherung überschüssiger Gasmengen bei saisonalem bzw. kurzzeitigem Bedarfsrückgang zu glätten sowie auch einen stabilen Modus der Pipeline-Lieferungen aufrechtzuerhalten. Wegen der Trägheit des Pipeline-Systems ist kein operatives Reagieren auf kurzfristigen Anstieg des Bedarfs an Erdgas möglich, sodass die Untergrundspeicher dazu beitragen, diese Aufgabe zu meistern und in der Endkonsequenz die Gaslieferungen zu vergrößern.

Überaus relevant ist auch die Notwendigkeit einer Optimierung der technologischen Kenndaten und der Investitionsintensität von Pipelinesystemen. Die Verfügbarkeit von Untergrundspeichern auf Territorien mit hohem Erdgasverbrauch macht es möglich, Eintrittsleitungen mit geringeren Durchmessern, also für mittlere und nicht für maximale Liefermengen, zu bauen und dadurch die Belastung der Gasverdichteranlagen wesentlich zu reduzieren. Dies ist besonders wichtig, wenn Verdichterstationen tausend und mehr Kilometer vom Abnehmer entfernt liegen, wie es in den Projekten Nord Stream und South Stream der Fall ist. Das alles sichert in der Endkonsequenz Zuverlässigkeit und Flexibilität der Gaslieferungen an russische wie ausländische Kunden. Aus diesem Grunde ist Gazprom bestrebt, das UGS-System in Russland wie im Ausland intensiv zu entwickeln und Speicher in unmittelbarer Nähe von Verbrauchszentren anzulegen.

Russland

Gazprom betreibt momentan auf dem Territorium Russlands 22 Untergrundspeicher in 26 Speicherobjekten, und zwar 17 in erschöpften Gasfeldern, acht in wassertragenden Strukturen und einen Speicher in Salzkavernen. Die leistungsstärksten Speicher befinden sich in der Verwaltungsregion Stawropol (UGS Sewero-Stawropolskoje), in den Verwaltungsgebieten Rjasan und Orenburg (UGS Kasimowskoje bzw. UGS Sowchosnoje) wie auch in den Verwaltungsgebieten Saratow und Rostow sowie in Baschkirien (die UGS Stepnowskoje, Kuschtschewskoje und Kantschurinsko-Musinskoje). Das summarische Aktivgasvolumen aller russischen Untergrundspeicher war Anfang des Jahres mit 70,408 Milliarden Kubikmeter um 2,248 Milliarden Kubikmeter größer als in der vorherigen Ausspeicherungssaison (Herbst/Winter 2012−2013). Im zurückliegenden Jahr wurden 32,748 Milliarden Kubikmeter Erdgas ausgespeichert und 38,368 Milliarden Kubikmeter eingespeichert. Das Tagesleistungspotential der UGS stieg gegenüber 2012 um 56,7 Millionen Kubikmeter. Dadurch konnte Gazprom Ende Januar dieses Jahres die Sollvorgaben für die russischen Untergrundspeicher erreichen und mit einem Ausspeicherungsvolumen von 725,2 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag einen neuen Rekord in der gesamten Geschichte des russischen UGS-Systems aufstellen, und zwar bei einer akkumulierten Menge von ausgespeichertem Erdgas von 19,7 Milliarden Kubikmeter (28,6 Prozent der operativen Reserve). In der Herbst/Winter-Periode 2013–2014 machte die Ausspeicherungsmenge in Russland 27,3 Prozent vom summarischen Inlandbedarf an Erdgas aus. Zur bevorstehenden Heizungssaison sieht Gazprom vor, die operativen Erdgasreserven auf 71,133 Milliarden Kubikmeter, die maximale UGS-Leistung auf 772 Millionen Kubikmeter und durchschnittliche Tagesleistung auf 603,1 Millionen Kubikmeter zu vergrößern.

UGS Kaliningradskoje

UGS Kaliningradskoje

Тechnische Neuausrüstung, Rekonstruktion und Erweiterung der verfügbaren Kapazitäten wie auch die Aufschluß neuer Untergrundspeicher ist eine der strategischen Aufgaben der Gazprom. Die nächstliegenden Pläne des Unternehmens bezwecken eine wesentliche Erhöhung der maximalen Tagesleistung des UGS-Systems bereits bis 2016, und zwar von den jetzigen 727,8 Millionen Kubikmeter auf 800 Millionen Kubikmeter. Langfristige Richtlinien werden durch das Generalschema der Entwicklung der Gasindustrie Russlands bis 2030 definiert, das eine konsequente Festigung und Erweiterung aller ausschlaggebenden Parameter des Systems vorsieht, wodurch unter anderem die tägliche Ausspeicherung eine Milliarde Kubikmeter erreichen soll.

Das Investitionsprogramm der ОАО Gazprom für das laufende Jahr sieht die Umsetzung von 27 Projekten der Untergrundspeicherung vor. Einschlägige Aktivitäten erfassen primär die Untergundspeicher Sowchosnoje, Stepnowskoje, Kasimowskoje, Kantschurinsko-Musinskoje, Sewero-Stawropolskoje, Kaliningradskoje und Newskoje (Verwaltungsgebiet Nowgorod). Gebaut werden drei neue Speichern: der UGS Bednodemjanowskoje (Verwaltungsgebiet Pensa) in einem wasserführenden Horizont sowie die UGS Wolgogradskoje und Kaliningradskoje in Steinsalzablagerungen.

So ist der UGS Kaliningradskoje Russlands erster bereits funktionierender UGS in Salzkavernen. 2013 wurden dort zwei Reservoirs mit einem aktiven Fassungsvolumen von 52 Millionen Kubikmeter Erdgas und maximaler Tagesleistung von 4,8 Millionen Kubikmeter angelegt. Insgesamt sollen dort fünf solche separate Speicher mit einer summarischen aktiven Kapazität von 261 Millionen Kubikmeter in der ersten Ausbaustufe und weitere 12 Reservoirs als Zielsetzung für den Vollausbau gebaut werden. Die summarische aktive Kapazität des Untergrundspeichers Kaliningradskoje soll 800 Millionen Kubikmeter Erdgas erreichen.

Darüber hinaus befinden sich mehrere weitere mögliche russische UGS-Objekte in der Phase der Erkundung und Beschlussfassung zu ihrer Einrichtung. Angelaufen sind geologische Erkundungsarbeiten zur Erforschung der Möglichkeiten zur Lagerung von Heliumkonzentrat im russischen Fernen Osten. Zigleich baut Gazprom auch das System unterirdischer Gasspeicherung im Ausland aus.

Postsowjetischer Raum

In Ländern der ehemaligen UdSSR nutzt Gazprom UGS-Kapazitäten in Lettland (Incukalnskoje), Weißrussland (Pribugskoje, Osipowitschskoje und Mosyrskoje) sowie in Armenien (Abowjanskoje). Die russische Gesellschaft ist Eigentümer bzw. Miteigentümer aller dieser Objekte. 2013 wurden in diese UGS 2,5 Milliarden Kubikmeter Gas eingepumpt und summarisch 1,9 Milliarden Kubikmeter ausgespeichert. Anfang des laufenden Jahres machten die Gasspeicherkapazitäten der Gazprom Gruppe in Ländern der ehemaligen Sowjetunion 2,8 Milliarden Kubikmeter bei einer Tagesleistung von 42,8 Millionen Kubikmeter aus. Dies wurde unter anderem durch Vergrößerung der operativen Reserve (Teil des aktiven Volumens) des weißrussischen UGS Mosyrskoje von 150 auf 210 Millionen Kubikmeter möglich.

Der zur Struktur von Latvijas Gāze gehörende UGS Incukalnskoje ist unter den von Gazprom betriebenen Untergrundspeichern auf dem postsowjetischen Raum nach wie vor am größten. Das russische Unternehmen besitzt seit 1997 insgesamt 34 Prozent der Aktien dieser lettischen Gesellschaft. Der UGS Incukalnskoje hat eine Kapazität von 2,3 Milliarden Kubikmeter aktives Gasvolumen bei einer Tagesleistung von 24 Millionen Kubikmeter. Der Speicher ist ins System der Gaslieferungen nach Lettland, Estland und Litauen sowie in die nordwestliche Region Russlands integriert. Gazprom kann hier bis zu 1,6 Milliarden Kubikmeter aktives Gas speichern. Außerdem beteiligen sich Spezialisten des russischen Konzerns an der Lösung diesen UGS betreffender Produktionsfragen. 2012 lief hier eine neue Gastrocknungsanlage mit einer Tagesleistung von 14 Millionen Kubikmeter an, das macht es möglich, die Tagesleistung des UGS in der Saison des Spitzenbedarfs auf 30 Millionen Kubikmeter zu steigern. In der Vorbereitungsperiode der Herbst/Winter-Saison 2013–2014 wurden in Incukalnskoje 1,5 Milliarden Kubikmeter Gas eingespeichert (die Ausspeicherung während der Saison machte eine Milliarde Kubikmeter aus). Die maximale Tagesleistung des Speichers erreichte 15,6 Millionen Kubikmeter.

Fernes Ausland

Zur Sicherstellung stabiler Gaslieferungen im Rahmen ihrer Exportverträge nutzt die Gazprom UGS-Kapazitäten in Österreich, Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Serbien. Am Anfang handelte es sich primär um vertraglich gepachtete Speicherkapazitäten. Gegenwärtig sind es in erster Linie Kapazitäten, die unter Mitwirkung von Unternehmen der Gazprom Gruppe geschaffen werden. Etliche UGS werden allerdings noch zu alten Konditionen betrieben, und zwar wegen der Notwendigkeit, zuverlässige und flexible Lieferungen von russischem Erdgas auf die Märkte jener Länder zu gewährleisten, in denen unter Mitwirkung der Gazprom Gruppe gebaute Speicher vorerst noch fehlen. So werden Speicherkapazitäten in Großbritannien und Deutschland gepachtet.

Angesicht der hohen (sei es auch in letzter Zeit etwas gesunkenen) Pachtkosten und periodisch fehlenden freien Speicherkapazitäten in „fremden“ UGS investiert das russische Unternehmen nunmehr in den Aufbau eines eigenen UGS-Systems in Europa. Im Januar 2011 beschloss der Gazprom-Vorstand, die eigenen Gazprom-Kapazitäten für die Untergrundspeicherung von Erdgas im Ausland bis 2030 auf eine aktive Kapazität von mindestens fünf Prozent des Jahresvolumens ihrer Exportlieferungen auszubauen. Dadurch soll die Abhängigkeit von gepachteten Kapazitäten außerhalb der Unternehmen der Gazprom Gruppe auf ein Mindestmaß reduziert werden.

Durch Beteiligung an der WINGAS GmbH (JV mit der deutschen Wintershall Holding GmbH) betreibt der russische Konzern auf paritätischer Basis den UGS Rheden in Deutschland, den größten UGS Westeuropas. Sein Fassungsvermögen übersteigt 4,2 Milliarden Kubikmeter Gas, von denen Gazprom momentan 0,5 Milliarden Kubikmeter aktives Volumen und 10 Millionen Kubikmeter Tagesleistung nutzt. Im Rahmen des Swapgeschäfts zwischen Gazprom und Wintershall soll die Kontrolle über dieses Gemeinschaftsunternehmen demnächst in vollem Umfang zur Gazprom Gruppe übergehen. Der UGS Rheden wird weiterhin für die Stabilität der Gaslieferungen an Kunden in Westeuropa, darunter auch für Lieferungen durch die Nord Stream Pipeline, sorgen.

Im Mai 2011 wurde in Österreich die zweite Ausbaustufe des UGS Haidach, an dem Gazprom mit 34 Prozent, WINGAS mit 33 Prozent und die österreichische Rohöl-Aufsuchungs AG (RAG) mit 33 Prozent beteiligt sind. Das Aktivgasvolumen der zwei Ausbaustufen dieses Speichers macht summarisch 2,64 Milliarden Kubikmeter und die Ausspeicherungsleistung 26,4 Millionen Kubikmeter pro Tag aus. Gazprom nutzt die Kapazitäten des UGS Haidach in einem Umfang von 1,7 Milliarden Kubikmeter Aktivgas und 18,9 Millionen Kubikmeter Tagesleistung. Gemäß ihren Verpflichtungen gegenüber der europäischen Regulierungsbehörde gewährt die Gazprom interessierten Unternehmen durch Versteigerung jährlich Pachtrechte an Kapazitäten. Ende 2011 wurde der Betrieb des UGS Banatski Dvor in Serbien gestartet, dessen Eigentümer Gazprom (51 Prozent) und das Staatsunternehmen Srbijagas (49 Prozent) sind. Das Aktivvolumen der ersten Ausbaustufe dieses Speichers macht 450 Millionen Kubikmeter, die Tagesleistung 5 Millionen Kubikmeter Gas aus; die Gazprom-Anteilen beziffern sich entsprechend auf 230 Millionen bzw. 2,5 Millionen Kubikmeter. In Zukunft ist der Ausbau dieses UGS auf eine Milliarde Kubikmeter Aktivgas und 15 Millionen Kubikmeter Tagesleistung möglich. Die UGS Haidach und Banatski Dvor sollen in allernächster Zukunft zu einem wichtigen Element der Sicherstellung stabiler Lieferungen von russischem Gas durch die neue South Stream Exportpipeline werden.

Im Zuge der Vorbereitung auf die Herbst/Winter-Periode 2013–2014 speicherte die Gazprom Gruppe in die UGS im fernen Ausland (einschließlich der Pachtverträge und Puffermengen) 4 Milliarden Kubikmeter Gas ein. Die summarische Ausspeichrung im Verlaufe der Saison machte 4,2 Milliarden Kubikmeter aus. Die maximale Tagesleistung erreichte 54,4 Millionen Kubikmeter. Anfang des laufenden Jahres betrug die von Gazprom genutzte aktive Kapazität europäischer Untergrundspeicher (unter Hinzurechnung der Pacht) 4,51 Milliarden Kubikmeter und die Tagesleistung 53,3 Millionen Kubikmeter. 2015 werden diese Kennzahlen durch Erreichen der vollen Ausbaukapazität des UGS Begermeer in Holland ansteigen. Durch die Verträge zwischen Gazprom und dem Konsortium TAQA (Abu Dhabi) und EBN (Niederlande) erhält die russische Seite an diesem Projekt einen Anteil von 42 Prozent. Gazprom stellte für den UGS Bergermeer Puffergas bereit und erhielt Zugang zu Speicherkapazitäten im Umfang von 1,9 Milliarden Kubikmeter Aktivgas und 26,4 Millionen Kubikmeter Tagesleistung. Das Projekt wird seit 2010 umgesetzt, kommerzielle Nutzung im Interesse der ОАО Gazprom soll in diesem Jahr anlaufen. Die volle Ausbaukapazität von 4,1 Milliarden Kubikmeter Aktivgas soll im Frühjahr 2015 erreicht werden. Dadurch wird die Gazprom Gruppe ihre Speicherkapazitäten (ohne Kurzpacht) im fernen Ausland auf 4,3 Milliarden Kubikmeter erweitern. Der UGS Bergermeer wird durch den russischen Konzern neben dem UGS Rheden als Basisspeicher zur Gewährleistung eines störungsfreien Betriebs der Nord Stream Exportpipeline genutzt werden.

Gazprom plant die Schaffung zusätzlicher UGS-Kapazitäten in Deutschland, Großbritannien, der Tschechischen Republik und in der Türkei. Die neuen Speicher werden die russischen Gaslieferungen durch die Nord Stream und die South Stream Pipelines sichern. Der Ausbau des Speichersystems im fernen Ausland wird die Gazprom Gruppe befähigen, in den nächsten zehn Jahren die eigenen aktiven Kapazitäten auf nahezu 6 Milliarden Kubikmeter Gas zu erweitern. Die Tagesleistung der europäischen Untergrundspeicher steigt dabei von den jetzigen 55,6 auf 100 Millionen Kubikmeter.

Denis Kirillow

Hintergrundinformation

Gazprom sieht vor die maximale Tagesleistung des russischen UGS-Systems bis 2016 von 727,8 auf 800 Millionen Kubikmeter zu steigern. 2030 soll die Tagesleistung der UGS eine Milliarde Kubikmeter erreichen.

Gazprom erachtete es für zweckmäßig, die eigenen UGS-Kapazitäten im Ausland bis 2030 auf eine aktive Kapazität von mindestens 5 Prozent des Jahresvolumens der Exportlieferungen auszubauen.