Die Hüter von Erdgas

Fotos können unter Quellenangabe verwendet werden.

11. Februar 2016

Der Gasverbrauch zeichnet sich bekanntlich durch extreme Ungleichgewichte aus. Dies ist vor allem mit saisonbedingten Schwankungen der Nachfrage verbunden. Für deren Ausgleich werden spezielle Anlagen benötigt, in denen überschüssige Gasmengen gespeichert werden können, um sie bei zunehmender Nachfrage an die Verbraucher zu liefern. Besonders effizient und sicher ist die unterirdische Gasspeicherung.

Gegenwärtig gewährleistet das Netz von Untergrundspeichern (UGS) der Gazprom in der Heizperiode zwischen 20 und 40 Prozent der Gaslieferungen auf dem russischen Markt sowie für den Export.

Alles begann vor 60 Jahren.

Am 12. September 1955 wurde die Verordnung des Ministerrates Nr. 1673 „Über Maßnahmen zur Gewährleistung der Abnahme von Gas aus der Verwaltungsregion Stawropol durch Verbraucher in Moskau“ unterzeichnet. Mit diesem Dokument begann die Geschichte der unterirdischen Gasspeicherung in der Sowjetunion, weil die darin gestellte strategische Aufgabe die Errichtung von Untergrundspeichern voraussetzte.

Der Werdegang der inländischen Gasspeicherung war an und für sich nicht so ganz typisch. Am schnellsten und wirtschaftlichsten ist es, für unterirdische Gasspeicher ausgeförderte Lagerstätten zu benutzen. Dies wurde denn auch in Kanada getan, wo 1915 der erste Gasspeicher entstand. In der Sowjetunion wurde als erster der UGS Baschkatowskoje errichtet. Er entstand 1958 in der ausgeförderten Erdgaslagerstätte Baschkatowskoje in der Nähe von Buguruslan, Verwaltungsgebiet Orenburg. Indessen gab es in den zentralen Regionen der UdSSR keine so „bequemen“ Speicheranlagen, deshalb musste eine andere Lösung gefunden werde. Daraufhin wurde beschlossen, den UGS Kaluschskoje und Schtscholkowskoje in wasserhaltigen Gesteinsschichten zu bauen. 1957 wurde die erste Bohrung für den UGS in der Nähe von Kaluga und 1958 für den UGS im Bezirk Schtscholkowo, Verwaltungsgebiet Moskau, angelegt. Archivfoto: Kaluga, August 1959.

Moskau erhielt bereits in der Herbst- und Wintersaison 1963–1964 Gas aus diesen Speichern. Auf dem Archivfoto ist der Bau der Gasmotorverdichter-Halle des UGS Kaluschskoje zu sehen.

In den 1960-er Jahren wurde die Untersuchung von wasserhaltigen Gesteinsschichten, die für die Errichtung unterirdischer Gasspeicher geeignet waren, fortgesetzt. In dieser Zeit entstand der UGS Gatschinskoje im Verwaltungsgebiet Leningrad, der auch heute erfolgreich betrieben wird. Anschließend kamen neue unterirdische Gasspeicher hinzu: Kassimowskoje (Russland), Poltorazkoje (Kasachstan), Intschukalnskoje (Lettland), Ossipowitschskoje (Weißrussland), Olischewskoje, Tscherwonopartisanskoje (Ukraine), Abowjanskoje (Armenien) und andere. Foto: UGS Gatschinskoje.

In den 1970-er und 1980-er Jahren begann man für den Bau von Untergrundspeichern damals bereits ausgeförderte Erdgas- und Gaskondensatlagerstätten weitgehend zu nutzen: in der Verwaltungsregion Stawropol (UGS Sewero-Stawropolskoje), im Verwaltungsgebiet Saratow (UGS Peschtschano-Umetskoje, Jelschano-Kurdjumskoje, Stepnowskoje), im Verwaltungsgebiet Orenburg (UGS Sowchosnoje) und in Baschkirien (UGS Kantschurinskoje).

In den 1990-er Jahren wurde das UGS-Netz ausgebaut. In ausgeförderten Lagerstätten entstanden die unterirdischen Gasspeicher Kuschtschowskoje, Punginskoje und Krasnodarskoje und in wasserhaltigen Gesteinsschichten – der UGS Newskoje. Foto: Bau des UGS Kuschtschowskoje, 1998.

Ende des vorigen Jahrhunderts wurde mit der technischen Neuausrüstung bestehender UGS begonnen. Sie wurden mit industriellen Steuerungssystemen für technologische Arbeitsabläufe ausgestattet.

Betriebene und zukünftige Anlagen für die unterirdische Gasspeicherung der Gazprom in Russland

Die Gazprom betreibt zurzeit in Russland 26 Gasspeicheranlagen in 22 UGS: 17 Anlagen wurden in ausgeförderten Erdgaslagerstätten, 8 in wasserhaltigen Gesteinen und 1 in Salzkavernen errichtet.

Wie bereits erwähnt, dient die Nutzung von Untergrundspeichern der Gazprom als Hauptinstrument, um Spitzenlasten sowie saisonbedingte Schwankungen im Verbrauch, die mit jedem Jahr zunehmen, auszugleichen.

Deshalb gehört heute zu den Kernaufgaben der unterirdischen Gasspeicherung in Russland die Steigerung der maximalen Tagesleistung des UGS zu Beginn der Ausspeiseperiode. In den vier vorausgegangenen Herbst- und Wintersaisons ist sie um 150 Millionen Kubikmeter auf 770,4 Millionen Kubikmeter gestiegen und zum bevorstehenden Winterbeginn wird sie 789,9 Millionen Kubikmeter erreichen.

In Zukunft wird die potentielle maximale Tagesleistung der russischen unterirdischen Gasspeicher bei mehr als 1 Milliarde Kubikmeter Gas liegen (zum Vergleich beträgt diese Kennzahl für alle UGS weltweit etwa 7 Milliarden Kubikmeter).

Die inländischen Gasspeicher erreichten im Januar 2014, das heißt mitten in der Spitzenzeit für die Ausspeisung, eine effektive Rekordtagesleistung von 725,2 Millionen Kubikmetern Gas (42 Prozent des damaligen Gasverbrauchs in Russland). Foto: Untertagespeicher im Verwaltungsgebiet Krasnodar. Die Aufnahme entstand zur kältesten Spitzenzeit.

Nach einem harten und langen Winter müssen die verbrauchten Vorräte aufgefüllt werden. Im Frühling wird mit der Einspeisung von Gas begonnen. Von den 22 russischen Untergrundspeichern stellen sich die im Süden gelegenen UGS als erste auf den Frühling ein. Zum Beispiel der Gasspeicher Kuschtschowskoje (Foto). Hier wurden erstmals in der Geschichte der russischen Gasspeicherung horizontale Bohrungen angelegt. Dank dieser Planung konnte die Kapazität der Anlage ums Mehrfache gesteigert werden.

Es finden sich auch andere einzigartige Lösungen. UGS Gatschinskoje: Hier erfolgte die Gasspeicherung (erstmals in der Welt!) in einer wasserhaltigen Gesteinsschicht ohne herkömmliche geologische „Fallen“. Dichte undurchlässige Gesteine können bekanntlich eine Art „Kuppel“ bilden. Darunter kann man in poröseren Gesteinen Gas speichern, das das Wasser unter Hochdruck aus der „Kuppel“ verdrängt. Solche Fallen gibt es im UGS Gatschinskoje nicht. Um dort kein Gas zu verlieren, musste ein spezieller schnellerer Ausspeisungsvorgang zum Einsatz kommen.

Unser Stolz ist auch der UGS Kassimowskoje – der weltweit größte Untertagespeicher in wasserhaltigen Gesteinsschichten. Auf dem Foto ist die Vorbereitung auf die Gasausspeisung zu sehen – die Ausrüstung wird überprüft.

Die Speicheranlage in Kaliningrad ist die jüngste unter den betriebenen UGS der Gazprom und zugleich die einzige, die in Salzkavernen entstanden ist. Sie hat zum Vorteil, dass der Speicher vom Einspeise-Modus auf den Ausspeise-Modus und umgekehrt operativ umgestellt werden kann. Die Erfahrungen von Kaliningrad werden beim Bau der Untergrundspeicher Wolgogradskoje und Nowomoskowskoje (Verwaltungsgebiet Tula) genutzt.

Es gibt praktisch über jeden UGS etwas Besonderes zu erzählen. Ebenso wie über die Menschen, die bei der Gazprom UGS (100-prozentige Tochtergesellschaft der PAO Gazprom, in deren Struktur alle unterirdischen Gasspeicher in der Russischen Föderation erfasst sind) arbeiten. Im Unternehmen sind 7.700 Menschen angestellt, die 188 Berufen angehören und sich einer gemeinsamen Sache gewidmet haben. Zuweilen wird sie zur Sache einer ganzen Familie, wie zum Beispiel für die Familie Karzanov, die in der Verwaltung für Untergrundspeicherung von Erdgas Kantschurinskoje tätig ist. Foto: Brüder Denis und Vitaly und deren Vater Alexander Karzanov.

Will man einen Mitarbeiter der Gazprom UGS in allgemeinen Zügen beschreiben, so ist es ein Mann um die 40 mit Berufsschulabschluss und 12 Jahren Berufserfahrung. Alexander Utkin (Foto), Anlagenbediener bei der Erdöl- und Erdgasförderung in der Verwaltung für UGS Kantschurinskoje, passt sehr gut in dieses Bild.

Fahrer ist neben dem Bediener von Förderanlagen ein weit verbreiteter Beruf im Unternehmen. Foto: Denis Pchelintsev, bester Fahrer der ООО Gazprom UGS laut Ergebnissen der letzten Berufswettbewerbe. Es ist in der Tat gar nicht so einfach, mit Denis mitzuhalten. Seine Laufbahn weist sogar ein paar Dienstjahre bei der Polizei mit riskanten Verfolgungen von Ruhestörern auf.

Mikhail Efimov – Meister für Instandsetzung von Bohrungen bei der Moskauer Verwaltung für Sicherung, Wiederherstellung und Generalüberholung von Bohrungen – ist der erfahrenste Mitarbeiter der Gazprom UGS. Er blickt auf fast 50 Berufsjahre zurück.

Die Hüter von Erdgas – wenn man es bezogen auf die Mitarbeiter der Gazprom UGS bildhaft ausdrücken will – gehen mit ihrer Geschichte pietätvoll um. Die Verwaltung für UGS Newskoje trägt zum Beispiel den Namen von Sergey Barmin, Held der Sozialistischen Arbeit, der die Lentransgaz in den Jahren von 1967 bis 1989 leitete. Er hat zur Entwicklung des Gasversorgungssystems im Nordwesten Russlands maßgeblich beigetragen. Das Foto zeigt, wie das Brustbild dieses für die Erdgasbranche legendären Mannes auf dem Gelände der Filiale 2013 enthüllt wurde.

Dies ist ein weiteres Denkmal. Es wurde auf dem Gelände des UGS Jelschanskoje errichtet. Solche Gasmotorverdichter 10 GMV (von Mitarbeitern des Untertagespeichers liebevoll „Samowar“ genannt) wurden hier 1967 installiert, als der Speicher in Betrieb genommen wurde. Mit den Jahren entsprach ihre geringe Kapazität nicht mehr den steigenden Kennzahlen des aktiven Fassungsvermögens und der Tagesleistung des Gasspeichers. So mussten die UGS-Verdichterstationen mit hochleistungsfähiger Technik nachgerüstet werden. Als die Anlagen 2013 ausgewechselt wurden, kam jemand auf die Idee, einen von diesen „Samowaren“ aufzubewahren. Fachkräfte vom Gasverdichter-Dienst bauten das abmontierte Aggregat behutsam, ein Teil nach dem anderen, wieder auf.

Es ist zu erwähnen, dass die Gazprom derzeit die Speicheranlagen aktiv modernisiert. Die alte Technik wird allmählich Geschichte. Foto: Gasmotoren-Halle Nr. 3 der Moskauer Filiale der Gazprom UGS. Sie hat noch nicht ausgedient, wird aber nur noch als Reserve genutzt. Foto: Maschinenbediener Artur Badovsky, Vadim Ezhov und Valery Kolomiytsev bei planmäßigen Instandsetzungsarbeiten an den Anlagen.

Das ist die neue Verdichterhalle des UGS Schtscholkowskoje während der Inbetriebnahme im vergangenen Winter. Vier Gasverdichteranlagen Saturn-4 RМ mit hohem Automatisierungsgrad ersetzten vierzehn Gasmotorverdichter.

Moderne effizientere und zuverlässigere Anlagen wurden auch in der neuen Verdichterhalle des UGS Jelschanskoje installiert. Zwei neue russische Gasverdichteranlagen (GVA) 10UGS 01 aus der Serie Ural mit einer Gesamtleistung von 20 Megawatt lösten acht Anlagen der amerikanischen Firma Solar ab.

Dies ist der UGS Kaluschskoje – einer der ersten im Land – nach seiner Rekonstruktion.

Betriebene und zukünftige UGS-Anlagen im Ausland

Ein Bericht über die unterirdischen Gasspeicher der Gazprom wäre unvollständig, wenn man unsere ausländischen Projekte nicht erwähnen würde. Um die Exportgaslieferungen zu stabilisieren, nutzt der Konzern die Kapazitäten von Untertagespeichern in Österreich, Armenien, Weißrussland, Deutschland, Lettland, den Niederlanden und Serbien.

In Weißrussland betreibt die Gazprom gleich drei UGS: den Ossipowitschskoje und Pribugskoje in wasserhaltigen Gesteinsschichten und den Mosyrskoje in Steinsalzlagerstätten.

In Armenien betreibt der Konzern den UGS Abowjanskoje in Steinsalzlagerstätten.

Foto: Untergrundspeicher Rehden in Deutschland.

Um unseren Bericht zusammenzufassen, möchten wir darauf hinweisen, dass die Gazprom heute zu den weltweit führenden Unternehmen hinsichtlich der operativen Reserven von eingespeichertem Gas gehört. Zur Ausspeiseperiode 2015–2016 betrugen die operativen Reserven der inländischen UGS der Gazprom 72,018 Milliarden Kubikmeter Gas. Der Konzern wird auch weiterhin die Kapazitäten der unterirdischen Speicherung ausbauen, indem er Bauprojekte in Russland – UGS Arbusowskoje, Bednodemjanowskoje, Wolgogradskoje, Kaliningradskoje, Nowomoskowskoje, Schatrowskoje und Reservierungskomplex Udmurtien – sowie im Ausland – UGS Katharina (Deutschland) und UGS Damborice (Tschechien) – umsetzt. Foto: Der weltweit größte UGS Sewero-Stawropolskoje.

PR-Abteilung der OOO Gazprom UGS und Redaktion der Webseite PAO Gazprom

Fotos von größerem Format finden sich im Fotoalbum.