Wie wird Erdgas transportiert

Nachdem das Gas gefördert worden ist, muss es zu den Verbrauchern transportiert werden. Größtenteils geschieht das über Pipelines.

Gazprom braucht jährlich 1,5–2,6 Millionen Tonnen Rohre großer Nennweite

Gazprom braucht jährlich 1,5–2,6 Millionen Tonnen Rohre großer Nennweite

Das aus den Bohrungen gewonnene Erdgas kann man jedoch nicht einfach so in Rohrleitungen schicken. Vor seiner langen Reise muss es entsprechend aufbereitet werden. Sämtliche Feststoffe wie z.B. Sande und Korrosionspartikel, flüssige Bestandteile, wie Wasser und flüssige Kohlenwasserstoffe sowie Schwefelwasserstoff, die die Anlagen zerstören könnten, müssen sorgfältig entfernt werden. Um die Verbrauchersicherheit zu erhöhen, wird das Erdgas mit Ethylmercaptan, einer spezifischen Schwefelverbindung, odoriert. Dadurch erhält es den allseits bekannten Geruch.

Reisefertig

Fernleitungen, Verdichterstationen und Untergrundspeicher sind die Hauptbestandteile eines Gasfernleitungsnetzes.

Fernleitungen sichern den Gastransport über große Entfernungen hinweg. Derzeit laufen über 160.000 Kilometer Ferngasleitungen über russisches Hoheitsgebiet. Das ist das Vierfache des Erdumfangs. Am effizientesten für den Gastransport sind Fernleitungen mit einer Nennweite von maximal 1.420 Millimeter.

Verdichterstationen halten den Druck in den Fernleitungen konstant. Weiterhin werden Verdichter zur Speicherung von Erdgas in Untergrundgasspeichern benötigt. Bevor das Erdgas aus den Fernleitungen. d.h. den Rohren großer Nennweite, in die Gasverteilungsnetze, d.h. in Rohre mit geringerer Nennweite, eingespeist wird, wird sein Druck in Gasdruckreduzier- und Verteilerstationen um etwa das Zehnfache auf ein sicheres Maß reduziert.

Die Kompressorstation Nowourengojski

Die Kompressorstation Nowourengojski

Der Gastransportprozess wird von Dispatchern überwacht. Sie legen die Abläufe der Gasdurchleitung fest, achten auf die Funktionsfähigkeit des Leitungsnetzes, und berücksichtigen tägliche und saisonale Schwankungen im Gasverbrauch beim Endkunden. Um die Gasströme außerhalb Russlands entsprechend überwachen zu können, wurden zwei Dispatcherzentralen - in Berlin und in Sofia - eingerichtet. Von hier werden der Dispatcherzentrale zur Steuerung des Gastransfers der Gazprom jeden Morgen die Gasmengenbestellungen der europäischen Verbraucher gemeldet. Zugleich kontrollieren sie den entsprechenden Lieferabwicklungsprozess.

In der Dispatcherzentrale zur Steuerung des Gastransfers der Gazprom werden die Gasströme kontrolliert

In der Dispatcherzentrale zur Steuerung des Gastransfers der Gazprom werden die Gasströme kontrolliert

Außerdem besteht zwischen Russland und der EU ein sogenanntes „Frühwarnsystem“, um möglichen Funktionsstörungen im Energienetz vorbeugen zu können. Heute muss das Gas allein in Russland durchschnittlich über Entfernungen von mehr als 2.500 Kilometer transportiert werden. Die Förderstätten im nördlichen Teil Westsibiriens sind von den am weitesten abgelegenen Importländern, wie Frankreich und Italien, sogar mehr als 5.000 Kilometer entfernt.

Das Pipeline-Verlegeschiff Solitaire beim Bau der Nord Stream durch die Ostsee

Das Pipeline-Verlegeschiff Solitaire beim Bau der Nord Stream durch die Ostsee

Um das Gas über weniger Transitländer leiten zu müssen, können Pipelines auch auf dem Meeresgrund verlegt werden. Auf diese Weise wurde auch die Nord Stream Pipeline gebaut.

Nicht nur per Pipeline

Außer per Pipeline kann Erdgas auch in Tanks transportiert werden. Bevor das Gas in den Tank gelangt, wird es auf -161,5 °C herunter gekühlt. Dadurch wird es flüssig und hat nur noch etwa ein 600stel seines Volumens im gasförmigen Zustand. LNG-Terminals sind gigantische Gasverflüssigungsanlagen. Der LNG-Terminal Sachalin kann beispielsweise jährlich ca. 10 Millionen Tonnen LNG produzieren. Das entspricht ca. 13 Milliarden Kubikmeter herkömmlichen Gases bzw. einem Gasverbrauch in Deutschland in zwei Monaten. Die Anlage erstreckt sich über eine Fläche von 490 Hektar. Die Flüssigerdgastanks sind 37 Meter hoch, haben einen Durchmesser von 67 Meter und ein Fassungsvermögen von 100.000 Kubikmeter.

LNG-Tanker für den Seetransport

LNG-Tanker für den Seetransport

Flüssigerdgas wird in speziellen kryogenen Behältern auf LNG-Tankern transportiert. Nachdem das LNG am Endpunkt angeliefert worden ist, wird der „blaue Brennstoff“ in Regasifizierungsanlagen wieder in den gasförmigen Zustand zurückversetzt bzw. dient in flüssiger Form als Kraftstoff.